Nach Tagen sommerlicher Ruhe an den internationalen Devisenbörsen sorgt der Dollar wieder einmal für frischen Wind. In der Bundesrepublik landete die US-Währung auf einem absoluten Tiefstand: Zum erstenmal seit der Kursfreigabe im Mai wurden in der vergangenen Woche nur noch 3,475 Mark für einen Dollar bezahlt.

Zudem haben sich in jüngster Zeit die Aufwertungsspekulanten aus aller Welt nach dem japanischen Yen ein neues Opfer ausgesucht: den französischen Franc. Gerüchte von einer bevorstehenden Aufwertung machten in Paris die Runde, nachdem Staatspräsident Georges Pompidou von seinem Besuch in Bonn an die Seine zurückgekehrt war.

Doch Pompidou verwies eine solche Maßnahme in den Bereich der Fabel. Und sein Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing beteuerte im staatlichen Fernsehen: „Die Aufwertung des Franc ist aus Gründen des gesunden Menschenverstandes völlig ausgeschlossen.“

Seit zwei Wochen muß sich Paris der Spekulation erwehren. Sie entstand nicht zuletzt aus der Überlegung, daß die Parität des Franc geändert würde, sobald die Bundesregierung den Kurs der Mark fixiert. Auch die inflationären Preissteigerungen in Frankreich rückten eine dämpfende Aufwertung in den Bereich des Möglichen. So mußte die Banque de France zwischen dem 1. und 8. Juli einen Zufluß von mehr als 150 Millionen Dollar verkraften.

Doch die französische Zahlungsbilanz (Devisenreserven: 5,3 Milliarden Dollar) ist nahezu ausgeglichen, ein Wechsel der Paritäten könnte dieses Gleichgewicht empfindlich stören. Zudem zieht sich Giscard auf das Argument zurück, das Abkommen von Bretton.. Woods erlaube Wechselkursmanipulationen nur bei. „fundamentalen Ungleichgewichten“.

Da Paris mit seinem jüngst verabschiedeten 6. Plan auf die Expansion der Exportindustrie setzt, käme eine Verteuerung der Ausführen, äußerst ungelegen. Auch die mit einer Aufwertung verbundene Senkung der Agrarpreise paßt nicht in das Konzept Pompidous.

So versichert seine Regierung, sie habe noch längst nicht alle Möglichkeiten gegen die Spekulation voll ausgenutzt. Eine zusätzliche Beruhigungspille für Ungläubige hatte indes Währungshüter Giscard d’Estaing zur Hand. Er verkündete, daß sein Notenbankpräsident Olivier Wormser Anfang dieser Woche seinen Urlaub in der Schweiz angetreten hat.

smi