Von Ferdinand Ranft

Man hört es und man spürt es, daß die schwedischen Konstrukteure allerhand Stahl in den Volvo hineingepackt haben: wenn man die Tür zuschlägt oder wenn man, beidarmig, den Kofferraumdeckel in die Höhe stemmt. Hier kann man mit dem Daumen keine Dellen ins Blech drücken, noch mit einem Fußtritt die Stoßstange deformieren. Der Wagen aus dem Norden trägt seinen Spitznamen zurecht: Panzer auf Rädern.

Der Volvo 144 Grand Luxe ist ein typischer Vertreter dieser Konzeption – mit allen Vor- und Nachteilen. Er gehört zu den acht Volvo-Modellen, die zur Zeit auf dem deutschen Markt angeboten werden, alles Wagen der gehobenen Mittelklasse. 12 500 Mark kostet der kleinste Volvo, der 142 de Luxe, 21 900 Mark der teuerste Wagen, das sportliche Coupé 1800 E.

Den Faktor „Sicherheit“ hielten 1970 immerhin 10 025 deutsche Autofahrer für so gravierend, daß sie sich einen Volvo kauften; 1971 wurden bisher 13 000 Volvos in der Bundesrepublik verkauft. Der Marktanteil des Volvo: 0,4 Prozent. Damit ist die deutsche Volvo GmbH, eine hundertprozentige Tochter des schwedischen Konzerns, natürlich noch nicht zufrieden.

– Mit einem Dreimillionenetat soll nun die Berliner Agentur Dorland das Volvo-Image Weiter aufpolieren. Das Ziel der Dorland-Kampagne: Das Volvo-Image, das sich von sportlich zu sicher, aber schwerfällig verschoben hatte, auf sicher und fortschrittlich zu trimmen und dabei den negativen Imagefaktor „schwerfällig“ durch sachliche Information abzubauen. Der ungewöhnlichste Anzeigentext dieser Werben kampagne: „Einer der schönsten Gründe, endlich ein sicheres Auto zu fahren“ – mit dem Photo einer Schwangeren. (Ob ihr das Fahren mit den hart gefederten Volvo dabei gut bekommt sei dahingestellt!)

Schwerfällig ist der Volvo 144 GL ganz sicher nicht. Der schon im Volvo-Coupé 1800 E bewährte 124-PS-Einspritzmotor schafft immerhin 175 Stundenkilometer und die Beschleunigung ist im Straßenverkehr, wie auf der Autobahn völlig ausreichend. Dabei bringt der 144 GL das stattliche Gewicht von 25 Zentnern „auf die Beine“. Verpackt sind darin Sicherheit und noch einmal Sicherheit.

Volvo ist in diesem Punkt der Konkurrenz weit voraus. Der Innenraum ist als Sicherheitszelle mit überrollsteifer Dachkonstruktion aus 1,4 bis 2 mm starkem Stahlblech gefertigt, sämtliche Öffnungen der Innenzelle sind von starken Balkenprofilen eingefaßt. Bug und Heck des Wagens verformen sich nach genau vorgegebenem Ablauf und verzehren dabei ein Maximum an Energie. Die Dreipunktsicherheitsgurte mit ihrer praktischen Aufrollautomatik gehören ebenso zur serienmäßigen Ausstattung wie die geteilte Lenksäule, vier Scheibenbremsen, Bremskraftverstärker, Bremskraftregler, Kopfstützen, Liegesitze mit Aufprallausgleich, Verbundglasfrontscheibe und heizbare Heckscheibe. Außerdem Stahlkurbeldach, Halogen-Nebelscheinwerfer, besonderer Rostschutz. Das alles kostet freilich auch seinen Preis: 16 900 Mark. Dafür hat man einen technisch ausgereiften, elegant aussehenden Wagen vor der Tür stehen.