Ende des Jahres wird Großbritannien nach 151 Jahren seine Truppen aus den sogenannten Vertragsstaaten, den sieben Scheichtümern am Persischen Golf, zurückziehen. Londons Versuch, durch eine Verbindung der Scheichtümer mit Bahrain und Katar die Voraussetzung für politische Stabilität zu schaffen, scheiterte Anfang 1971. Bahrain und Katar werden bald ihre Unabhängigkeit erklären und als souveräne Staaten um Mitgliedschaft in der Arabischen Liga ersuchen.

Aber auch die Vereinigung der Sieben ist nicht geglückt. Nur sechs Scheichtümer – Abu Dhabi, Dubai, Schardschah, Adschman, Umm, Kwain und Fudscheira – kamen überein, eine kleine Föderation unter dem Namen „Staat der Arabischen Emirate“ zu bilden. Im August wollen die Scheichs einen Präsidenten wählen – dieses Amt soll im Zwei-Jahres-Turnus von den Herrschern besetzt werden –, der ein 18köpfiges Kabinett (drei Vertreter pro Mitgliedsstaat) ernennen wird. Ein Konsultativrat von 36 Mitgliedern übernimmt die Aufgabe der Legislative.

Ras al-Khaim wird der Föderation nicht beitreten – wie es heißt, aus Ärger darüber, daß ihm im Obersten Rat der Scheichs nicht die gleichen Vetorechte wie Abu Dhabi und Dubai zugestanden wurden. Freilich gibt es noch eine andere Lesart. Ras al-Khaim beansprucht – und fand dabei bis jetzt englische Rückendeckung – drei kleine Inseln am Eingang des Persischen Golfes, westlich der Straße von Hormuz, die der Iran für sich reklamiert. Teheran führte vor wenigen Wochen demonstrativ Manöver durch – Ziel des Kriegsspiels: Invasion und Einnahme eine dieser Inseln. Immerhin passiert alle zehn Minuten ein Tanker die Meerenge. 60 Prozent des europäischen und 90 Prozent des japanischen ölbedarfs kommen aus dem Golf. Der Schah fürchtet, daß diese Inseln nach Londons Rückzug „arabischen Nihilisten“ in die Hände fallen könnten.

Auf der anderen Seite wünscht der Schah keine starke Föderation und keine Schmälerung seines Anspruchs, Vormacht am Golf zu werden. Im arabischen Lager finden die Vertragsstaaten wenig Rückendeckung, so daß der „Verzicht“ auf Ras al-Khaim – aus Sorge vor Verwicklungen – naheliegt. Saudi-Arabien streitet sich mit Abu Dhabi, das mit Dubai wegen der Ölfunde in der Föderation tonangebend sein wird, um ölreiche Gebiete. Kuwait wünscht enge Verbindungen zu Bahrain; Saudi-Arabien hat starke Bindungen zu Katar. Die Lage wird nicht weniger heikel durch das Eintreten des Irak für die „arabischen Rechte“ gegen den „iranischen Imperialismus“.

Allgemein werden der Föderation wenig Überlebenschancen eingeräumt. Abu Dhabi und Dubai sind reich – sie fördern pro Jahr für mehr als 150 Millionen Pfund Öl. Dubai lebt zudem recht gut von Handel und Schmuggel. Seine 113 000 Bewohner haben einen weit höheren Lebensstandard erreicht als ihre 77 000 arabischen Brüder in der übrigen Föderation; beide Staaten leisteten aber bisher nur zögernd Entwicklungshilfe über den Trucial States Development Fund. Die gemeinsamen Grenzen wurden zwar zwischen 1965 und 1969 festgelegt. Unklarheit aber besteht noch über die Grenze zwischen den Vertragsstaaten und Muskat sowie Oman.