Neu in Museen und Galerien

München Bis zum 26. September, Haus der Kunst: „Oskar Kokoschka -Bildnisse 1907–1970“

Das Haus der Kunst, ein kommerziell ausgerichtetes, auf Aktivität angewiesenes Unternehmen, brauchte auch heuer als Gegengewicht zum Gemischtwarenangebot der „Großen Münchener Kunstausstellung“ eine anspruchsvolle Publikumsattraktion – da drängte sich ein Hommage an den fünfundachtzigjährigen Kokoschka fast zwangsläufig auf. Die Frage nach Sinn oder Unsinn einer solchen Ausstellung erübrigt sich also: Der Terminkalender des Kulturbetriebs rechtfertigt sie. Es wäre müßig aufzuzählen, welche für die Entwicklung und die Kenntnis des Porträtmalers Kokoschka wichtigen Gemälde fehlen; der Veranstalter hat sich schon lange daran gewöhnt, im Hinblick auf die Qualität des Gezeigten mit Kompromissen zu leben. Wichtig ist nur, daß genügend Katalognummern zusammenkommen. Und einige Prachtstücke sind ja immer dabei. Vielleicht – das ist ein paradox anmutendes Fazit – hat man dem Jubilar mit dieser Lückenschau nicht einmal einen schlechten Dienst erwiesen: Man notiert dankbar die gelegentlichen Gipfel und übersieht die Niederungen. Auf diese Weise rückt der anscheinend unaufhaltsame Abstieg des OK vom manchmal beängstigend hellseherischen Persönlichkeitsdiagnostiker zum farbschwelgerischen Repräsentationsmaler mehr in den Hintergrund. Das ist richtig so, denn die jüngere Produktion dieses großen Porträtisten erweist sich als ziemlich nichtssagend; ihr fehlt die Faszination der frühen Bildnisse, die in der Fähigkeit des Malers gründet, Gesichter als physiognomische Landschaften zu sehen, als morphologische Psychogramme, ihr fehlt die barocke Grandeur mancher Arbeiten aus den dreißiger und vierziger Jahren, die handwerkliche Meisterschaft der in der Tradition des bürgerlichen Porträts stehenden Werke. Es empfiehlt sich, die Porträtgalerie in zeitlich umgekehrter Reihenfolge zu besichtigen: Kokoschka 1970, das ist Salonmalerei von 1907 – Kokoschka 1907, das ist auch 1970 noch packende Menschendarstellung.

Helmut Schneider

Die wichtigsten Ausstellungen

Duisburg Bis zum 22. August, Wilhelm-Lehmbruck-Museum: „Paul Klee und seine Malerfreunde“

380 Arbeiten – fast die komplette Sammlung Felix Klee – sind zu besichtigen. Durch die Bilder von Kandinsky, Marc, Jawlensky, aber beispielsweise auch Nolde wird auf das bisher kaum untersuchte Thema des Austauschs von Bildern und Ideen zwischen Klee und seinen Malerfreunden hingewiesen – eine brauchbare Methode, den Klee-Mythos abzubauen.