Manfred P. Wahl, stellvertretender Vorsitzender der IBM Deutschland, nennt das Kind beim Namen: Der deutschen Managementausbildung fehlt es an Profilierung. Mit einem neidvollen Blick ins Ausland beklagt er eine Lücke, die vielen seiner Kollegen in deutschen Unternehmensleitungen ebenfalls Sorgen macht: „In Deutschland fehlt eine mit dem MIT (Massachusetts Institute of Technology), der Harvard oder der London Business School vergleichbare Institution.“

Auch um die Begründung ist Wahl nicht verlegen: „Das wirtschaftliche Wachstum unserer Industriegesellschaft wird in den nächsten Jahren durch die Faktoren Management und Ausbildungswesen entscheidend beeinflußt werden. Beide Faktoren wirken im Wettbewerb mit den übrigen europäischen und außereuropäischen Industrienationen als langfristige Einflußgrößen.“

Zwar werden auch in Deutschland Managerkurse in Fülle angeboten. Aber nicht jedes Angebot ist ein Markenartikel. „Ausbildungsbewußten Firmen bleibt gegenwärtig kaum ein anderer Weg, als ihre Mitarbeiter selbst zu schulen“, kommentiert Computer-Manager Wahl die Situation.

Die interne Weiterbildung des Managernachwuchses hat in den letzten beiden Jahren viele Anhänger gefunden. Unternehmen, die gute Erfahrungen damit gemacht haben, stehen einer deutschen Business-School mit Hochschulniveau oft skeptisch gegenüber. Sie beurteilen auch so renommierte Institute wie IMEDE in Lausanne oder INSEAD in Fontainebleau mit Zurückhaltung.

So hält man es beispielsweise bei Siemens und Unilever nicht für vordringlich, eine deutsche Top-Schule für Manager aus der Taufe zu heben. Anders Gerd Seidensticker, Inhaber und Chef des Textilkontors Walter Seidensticker KG: „Eine qualifizierte deutsche Schule fehlt. Sie müßte im wesentlichen auf zwei Notwendigkeiten zugeschnitten sein:

  • dem aufsteigenden Manager Gelegenheit zu geben, sich in ein- oder mehrmonatigen Kursen qualifiziert weiterzubilden,
  • dem in einer Spitzenposition tätigen Manager ein oder zwei Wochen dauernde Kurse zur Auffrischung der Kenntnisse anzubieten.“

Knut Bleicher, Professor für Betriebswirtschaft an der Uni Gießen, warnt jedoch vor einer Überschätzung der amerikanischen Spitzeninstitute. „Die amerikanische Industriepraxis beurteilt die Programme, wie sie von Harvard angeboten werden, zur Zeit äußerst skeptisch, wenn nicht sogar weitgehend negativ.“