Der Anteil der Teilnehmer aus der amerikanischen Industrie an den anspruchsvollen Kursen ist, so Bleicher, verschwindend klein geworden. "Den starken Nachfragerückgang haben diese Institute durch die wachsende Hereinnahme von Ausländern und Vertretern anderer Organisationen ausgeglichen (Militär, Behörden und vor allen Dingen Manager von Krankenhäusern)."

Als erfahrener Praktiker nennt Rolf Buchholz, Generalbevollmächtigter der DEMAG, einen anderen Grund für die Skepsis deutscher Chefs: Die eigene Berufserfahrung wird hierzulande überschätzt. "Machen Sie erst einmal das Geschäft so lange wie ich" ist ein gängiges Argument.

Für einen Erfahrungsaustausch zwischen Theorie und Praxis wird aber gerade in der Bundesrepublik noch zuwenig getan. Harald Volkmann aus dem Hause Zeiss: "Der Wechsel von der Praxis zur Hochschule und umgekehrt ist entscheidend für eine erfolgreiche Tätigkeit zur Heranbildung qualifizierten Führungsnachwuchses. Das fehlt praktisch in der Bundesrepublik."

Denselben Mangel im deutschen Ausbildungssystem beklagt Hans Blohm, Professor an der TH Karlsruhe und erfahrener Managerausbilder: "Gehemmt wird dieser Wechsel durch Vorurteile, mangelndes Verständnis und arbeitsrechtliche oder arbeitsvertragliche Probleme auf beiden Seiten. Die Nur-Theoretiker sind an unseren Hochschulen oft einflußreicher als die praxisorientierten Lehrer."

Auch Blohms Kollege Peter Mertens von der Universität Erlangen–Nürnberg stimmt in das Klagelied ein: "Nachdem ... die Universität zweitklassig geworden ist, besteht ein Mangel an erstklassigen Ausbildungsstätten."

Bei den führenden Managern der deutschen Wirtschaft überwiegen eindeutig die Sympathien für eine Managementschule auf hohem Niveau. Dabei ist aber auch klar, daß die vor allem amerikanischen Vorbilder nicht einfach nachgeahmt werden dürfen. Warum ein solches Institut trotzdem noch nicht besteht, ist nicht eindeutig zu sagen.

"Weil sich hier keiner darum kümmert", lautet die Erklärung aus dem Hause Siemens. Und Harald Volkmann ergänzt: "Initiativen zur Gründung von privater Seite oder durch die Wirtschaft beziehungsweise den Staat sind bisher deswegen unterblieben, weil entweder der Mut zur Investition oder die Einsicht zur Notwendigkeit fehlte."