Was seine Beliebtheit betrifft, so hätte er leicht Präsident der Vereinigten Staaten, der Weltbank oder der UNO werden können: der Delphin Flipper, der nun zur Trauer von Millionen in die ewigen Gewässer fortgeschwommen ist, konnte es an Popularität mit manchem aufnehmen. Und einen Wahlkampf gegen Flipper, das stelle ich mir gar nicht so leicht vor, wenn er seine Gegner zum Wettauchen herausfordert, ihnen mit seinen Schwimmflossen Stimmen abjagend.

Dank Flipper wußten wir, daß Delphine die besseren Menschen sind. Wo andere Wasserminen legten, unerlaubt fischten, schmuggelten und stahlen, da war Flipper zur Hand, ein Sheriff der Tiefsee, eine Rotekreuzschwester, immer in wäßrigem Dienst, eine schöne Seele in Tran. Zusammen mit dem schielenden Löwen Clarence, mit der Schimpansin Judy, die so rührend kreischend eifersüchtig war, bildete Flipper das missing link zwischen Kreatur und Tarzan: Der Mensch, der die Umwelt und damit auch ihre Tiere vergiftet, hält sich viel darauf zugute, daß er ein paar von ihnen auch noch mit Namen zeichnet und verstümmelt; Flipper war so ein Beweis dafür, daß Hundefriedhöfe mit Recht anzeigen, wo bei uns der Hund begraben liegt, den sonst keine Tierliebe mehr hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Aber Flipper war mehr. Er war ein Star, der es nicht mehr nötig hatte, selbst aufzutreten. Wo andere lesen lassen, ließ Flipper spielen. Er hatte sein Double, seinen Stuntman, besser: seinen stunifish. Er war ein Frank Sinatra der See, der nicht zurückzutreten brauchte, weil für uns nicht nur ein Neger wie der andere aussieht, sondern erst recht ein Delphin dem anderen gleicht wie besagtes Ei.

Wenn er sich in seinem Pensionärsbecken aalte, zu alt und wahrscheinlich auch zu fett, um noch vor der Kamera elegante Delphinbewegungen demonstrieren, zu können, strampelte sich ein unbekannter Artgenosse unter seinem Namen ab. Flipper dagegen machte holidays in Florida, manchem Mafioten i. R. gleich, brütete wahrscheinlich über seiner Steuererklärung und hing aufseufzend dem Gedanken nach, daß auch für ihn Flipper nur ein Künstlername sei, denn das Tier hieß in Wahrheit Mitzi, wie eine österreichische Emigrantin, die unser bewegtes Jahrhundert an amerikanische Küsten gespült hatte.

Wenn es wahr ist, daß Delphine besonders große Hirne haben, dann mag in Flippers, respektive Mitzis Kopf irgendwann auch der Gedanke Fuß gefaßt haben, was das für eine Sache sei mit dem Starruhm und der Fernseh-Individualität.

Denn wenn wir immer wieder hören, daß Mannix Mannix ist, und wenn Millionen von Kindern und solche, die es am Fernsehen mit Flipper wieder werden wollten, jubelten, daß Flipper Flipper sei, so wußten sie es einfach nicht besser. Nämlich, daß Namen Handelsmarken sind, die man stanzen, übertragen und doubeln kann, die nicht nur den vermassen, der ihnen gerührt zusieht, sondern auch den, der sie scheinbar verkörpert.

So gesehen ist Flipper, der jetzt wahrscheinlich in ein feuchtes Grab getragen wurde, unsterblich. Denn in seinen Adern floß das Blut von Donald Duck und Mickey Mouse.