Die Überraschung war perfekt: Als Präsident Nixon am Freitag vergangener "Woche nach langen Beratungen in seinem Ferienort San Clemente vor die Fernsehkameras trat, erwartete Amerika eine neue Erklärung zu Vietnam. Statt dessen kündigte er an, er wolle auf Einladung des chinesischen Ministerpräsidenten Tschou En lai noch vor dem Mai 1972 Peking besuchen.

. Sein Sicherheitsberater Kissinger hatte die Einladung vom 9 bis 11. Juli in Peking endgültig ausgehandelt — zu einer Zeit, als ihn die Weltöffentlichkeit in einem pakistanischen Luftkurort wähnte, wo er eine Magenverstimmung auskurieren sollte. Unbemerkt waren Kissinger — angeblich mit einem deutschen Paß — und drei Begleiter in einer normalen Linienmaschine abgeflogen und zurückgekehrt. Die amerikanische Presse sprach vom bestgehüteten Geheimnis der neueren US Geschichte: Nixon habe sich für die Veröffentlichung der geheimen Pentagon Studie glänzend revanchiert.

In den USA fand Nixons Schritt, vielfach als wichtigstes politisches Ereignis seit 1945 apostrophiert, ungeteilte Zustoff , Bis jetzt hat Washington Taiwan — das prompt heftigen Protest einlegte — als einzigen rechtmäßigen Vertreter Chinas anerkannt und gegen seinen Ausschluß aus dem Sicherheitsrat Stellung genommen. Nach Kissingers Andeutungen hat er aber in Peking zumindest einen Ausweg vorzeichnen können, der, wie Nixon mit?Blick auf Taiwan versicherte, nicht zu Lasten "alter Freunde" gehen werde.

weitgehend zu; von den asiatischen Verbündeten Thailand und die Philippinen; nur sehr bedingt Südvietnam. Moskau, angeblich nicht überrascht, ließ sich Zeit und reagierte dann sehr kühl. Damit empfahl es sich Nordvietnam, das die chinesisch amerikanische "Annäherung" mit Sorge betrachtet und offenbar bestrebt ist, zukünftig mehr Unterstützung von der Sowjetunion zu erhalten.

:

rischen Revolutipnsregierung von Südvietnam bei den Pariser Friedensgesprächen machten auch sofort klar: Einer neuen Indochinakonferenz, die Nixon ins Gespräch gebracht hatte und die auch Peking befürwortet, wird Hanoi nicht zustimmen, ebensowenig wie dem Saigoner Vorstoß, "freie Wahlen" in ganz Vietnam abzuhalten. Grundlage einer Friedensregelung müsse der neue SiebenPunkte Plan bleiben.

im Jahre 1949 gab es seit 1954 — zuerst in Genf, dann in Warschau — sporadische Kontakte zwischen Washington und Peking. Im März des Jahres äußerte Nixon auf einer Pressekonferenz unmißverständlich seinen Wunsch nach besseren Beziehungen. Die Volksrepublik eröffnete einen Monat später, am 7, April, die "Pingpong Diplomatie" mit der Einladung der amerikanischen TischtennisNationalmannschaft. Im Gegenzug lokkerte Nixon eine Woche später eine Reihe von Restriktionen Über dritte Staaten — Rumänien und Norwegen — kam dann der Ball ins Rollen.