Übertriebene Hygiene und verdorbene Lebensmittel bereiten einer neuen Seuche den Boden

Von Theo Löbsack

Die Pille, bewährtes Mittel für den Genuß ohne Reue, wird einer unerfreulichen Nebenwirkung bezichtigt. Unter den Hautärzten wächst der Verdacht, daß die Ovulationshemmer der Besiedlung der weiblichen Scheide mit einer höchst unerwünschten Mikrobenart förderlich sind: dem zu den pathogenen Hefen zählenden Candida-albicans-Pilz.

Von dem ungebetenen Gast heimgesucht, klagen die Betroffenen über eine bläulichrote Veränderung der empfindlichen Schleimhäute und ihrer Umgebung. Typisch sind flächige Befallzonen mit einem weißlichen Schuppenkranz, im Volksmund „Soor“ genannt, nach dem altdeutschen Wort Sohren – verdorren, wundmachen.

Eine der Ursachen wird darin gesehen, daß die Gelbkörperhormone der Pille die Scheidenschleimhaut auflockern, den Glykogengehalt der Zellen erhöhen und damit die Wasserstoff-Ionenkonzentration, den pH-Wert in der Scheide, zur alkalischen Seite hin verschieben. So werden physiologische Bedingungen geschaffen, die dem parasitären Pilz offenbar willkommen sind.

Mitverantwortlich für das lästige Krankheitsbild sind nach Auffassung der Ärzte freilich auch die Waschgewohnheiten und die Unterkleidung vieler Frauen und Mädchen, vor allem der allzu häufige Gebrauch sogenannter Intimsprays. Wie auf dem vierten Kongreß für diagnostische und therapeutische Technik in Kühtai/Tirol zu erfahren war, enthalten einige der erotischen Intimpflegemittel außer ihren einschlägigen Duftstoffen bestimmte Substanzen (quartäre Ammoniumbasen), die die Schleimhäute reizen und den Pilzbefall begünstigen. Verstärkenden Effekt auf die Erkrankung aber haben zu allem Überfluß die modischen, gleichwohl wenig atemaktiven Strumpfhosen. Ihre Kunstfaserzwickel erzeugen im Genitalbereich eine feuchte Kammer, die für das Gedeihen der Pilze ein mikroklimatisches Optimum darstellt.

Antibiotika fördern Pilzbefall