Washington wird gewiß nicht gegen die Aufnahme Pekings in die UN stimmen, die für diesen Herbst gesichert erscheint, aber Nixon kann nicht zulassen, daß Taiwans Sicherheit gefährdet wird; schließlich besagt der Verteidigungspakt, der 1954 zwischen Washington und Taipeh geschlossen wurde, daß Washington verpflichtet ist, die nationalchinesische Regierung vor "bewaffnetem Angriff" zu schützen.

Weltpolitik im Dreieck

Wer Anfang dieses Jahres in Südostasien war, der spürte sehr deutlich, was sich dort anbahnte. Beeindruckt von den "umwälzenden Veränderungen in Asien", schrieben wir im Februar an dieser Stelle: "Amerika und China sind offenbar beide dabei, ihre Positionen entscheidend zu verändern", und gaben zu bedenken, daß vielleicht in zehn Jahren nicht mehr der Atlantische Ozean mit Amerika und Europa das Zentrum der Welt darstellen werde, "sondern sich alles Gewicht zum Pazifischen Ozean verlagert, wo die Großmächte unserer Zeit, Amerika und Japan, Rußland und China, die bestimmenden Faktoren sind".

Nur zwei von ihnen, die sich als Supermächte manifestiert haben, sind bisher in das allgemeine Bewußtsein eingegangen. In Zukunft wird dies anders sein. Die oft beschworene Bipolarität der Welt wird nun modifiziert werden, denn es werden nicht mehr zwei Giganten – allein auf weiter Flur – miteinander rivalisieren, sondern drei Mächte werden das Kräftespiel, den Kampf um die Macht gegeneinander führen. Sie alle sind miteinander durch Konflikte verbunden:

  • Zwischen Moskau und Washington geht es um globale Probleme, um die Vormacht in der Welt, in Europa, Nahost, Vietnam.
  • Zwischen Washington und Peking geht es um Eindämmung (Containment) oder Expansion Chinas, um die Frage, wer China in der UN vertritt, um den Rückzug Amerikas aus Asien, um den Einfluß in Asien und darum, daß die aufsteigende Atommacht China das atomare Patt der Supermächte nicht durchbricht.
  • Zwischen Moskau und Peking geht es um die Vormachtstellung im Kommunismus, um den Einfluß in Asien, um den Verlauf der Grenze zwischen der Sowjetunion und China.

Also Weltpolitik im Dreieck und nicht mehr als Duell? Rückkehr zur Balance of Power? Das Metternichsche System als Modell? Wohl kaum, denn darüber muß man sich klar sein: Für lange Zeit werden jene drei Mächte vorwiegend gegeneinander verzahnt sein: Jeder der drei wird von dem Konflikt der beiden anderen profitieren, aber für keine zwei wird es so viel Gemeinsamkeit geben, daß sich daraus eine Allianz in Permanenz konstruieren ließe.