Alex Möller, ehemaliger Finanzminister, las mit Erstaunen, daß noch unter seiner Regie eine Modellrechnung über möglicherweise zu erwartende Löcher in der Bundeskasse erstellt worden sei, die für 1972 eine Deckungslücke von 17 2 Milliarden und für 1975 sogar 29 Milliarden Mark prognostiziert. Alex Möller zur ZEIT:

"Ich möchte wissen, wo diese Rechnung herkommt. Aus meiner Zeit stammt sie jedenfalls nicht. Die höchste Deckungslücke, die es in den Modellrechnungen zu meiner Amtszeit gab, lag bei 9)9 Milliarden Alles andere entbehrt jeder realen Grundlage " Die Modellrechnung mit den hohen Finanzierungslücken war vor einiger Zeit vom CDUPressedienst Wirtschaftsbild "vertraulich" verbreitet worden ff Im Wirtschafts- und Finanzministerium, Sektion F, hat man es mit der Bereinigung der Wiedergutmachungsaffäre um den jüdischen Rechtsanwalt Hans Deutsch, in Bonn wegen angeblichen Betrugs zum Nachteil der Bundesrepublik angeklagt, offensichtlich eilig. Minister Kirl Schiller mochte sich aber nicht selbst mit der umfsjngreichen Akt_e jb esäftigen iuüb eej:ließ das einem Parlamentarischen Stftlts eKr etar Hais Hermsdorf. Der Staatssekretär möchte den Fall t 4MAt bald d acta legen und %9f<k eir#m schnellen Vergleich der zivilrechtlichen Angelegenheit, bei der es unter anderem um die Beschlagnahme des Millionen Vermögens des Anwalts in der Bundesrepublik geht.

Seit kurzem besteht nun auch offiziell die Rüstungshauptabteilung des Verteidigungsministeriums. Rüstungsstaatssekretär Ernst Wolf Mommsen hat die Abteilungen "Wehrtechnik"; und "Verteidigungswirtschaft" zu einer Hauptabteilung zusammengefaßt. Leiter wurde cer bisher schon als Hauptabteilungsleiter eingesetzte Ministerialdirektor Hansgeorg Schiffers. Neben Schiffers fungieren die Abteilungsleiter Albert Wahl und Ministerialdirektor Skgfried Sadtler als Stellvertreter.

Gewisse Spekulationen, die in Bonn und Brüssel darüber angestellt wurden, weil bei EuropaKommissar Ralf Dahrendorf in Brüssel cer Möbelwagen vorfuhr und wieder einlud, was vor einem Jahr ausgeladen wurde, erwiesen sich bislang als falsch. Mancherorts wurde nämlich angenommen, der Umzug der Familie des deutschen Kommissionsmitgliedes sei ein erstes Zeichen dafür, daß Dahrendorf sich langsam oif dem politischen Rückzug befindet. Dahrendorfs persönlicher Referent von Schwerin meinte indes, solche Spekulationen seien nicht einmal ein Dementi wert. Der Umzug habe rein familiäre Gründe.

Ohne eine Frau an der Spitze des Gesundheitsministeriums (Kate Strobel) hätte die Diplom- Volkswirtin Helga Elstner, langjährige Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV), wohl noch lange darauf Watten können, zur Ministerialdirektorin ernannt zu werden. Die Abteilungsleiterin für Lebensmittelwesen und Veterinärmedizin ist die erste und einzige Frau in Bonn im Rang eines Ministerialdirektors. Helga Elstner: "Überall in den Führungspositionen sind die Frauen sehr dünn gesät Wie dünn die Frauen in den Spitzengremien gesät sind, illustriert Helga Elstner an einem Beispiel: "Bei einem Essen mit der Kosmetikindustrie, deren Produktion in erster Linie auf die Frau abgestellt ist, war außer mir keine einzige Frau anwesend "

Landwirtschaftsminister Josef Ertl hat keine Sorge, daß dasj:<loatmg vorzeitig abgebrochen wird. Zunächst müsse die Getreideernte eingebracht werden. Das heißt, daß mindestens bis tzum Herbst flf jbl<! : Wechselkurse ge"Jt<p. Im$. übrigen wollte sich Ertl nicht dazu äußern, ob er nun für eine Aufwertung sei oder für die Rückkehr zu den ursprünglichen Wechselkurs. Ertl: "Ich werde nie ein Wort sagen, das zur Spekulation führen könnte Nach der Spekulationswelle in Frankreich befragt, meinte Ertl, die Franzosen würden nun selbst merken, was es heißt, mit heißem Geld fertig zu werden. Ertl wollte auch zu den Franc- Aufwertungsgerüchten Stellung beziehen, wurde aber von einem Mitarbeiter mit dem Hinweis sanft gebremst, nun nicht doch noch die Spekulation anzuheizen.

Ein Unbekannter benutzte eine Porträtpostkarte des Abgeordeten Alex Möller zum Scherz und schrieb einem Pferdehändler, er habe zwei gebrauchte VW, die er gegen ein bis zwei Pferde "braun oder schw. Stut eventuell trächtig" eintauschen wolle. Der Pferdehändler, der die angegebene Adresse auf der Postkart nicht genau entziffern konnte, schrieb Möller darauf zurück: "Wie ich ersehen kann, suchen Sie Pferde einwandfreie Pferde für diesen Preis (1700 Mark) werde ich Ihnen wahrscheinlich nicht liefern können. Aber am besten wird es sein, wenn die Angelegenheit besprochen wird "