SCHERZ, SATIRE & IRONIE

Von Wolfram Siebeck

Als die New York Times mit der Veröffentlichung der geheimen Vietnamstudie begann, habe ich gleich gesagt, Vorsicht, Kinder, macht euch bloß nicht darüber lustig! Wer weiß, was bei uns noch für geheime Sachen ans Tageslicht kommen, und wie stehen wir dann da!

Schon passiert. Der Mann, der bei uns für die Wahrheit eine Schlacht geschlagen hat, unser Ellsberg also, heißt Barzel. Ganz schlicht Rainer Candidus Barzel. Aber was er enthüllte, ist mindestens so brisant wie die Pentagonpapiere, ist noch sensationeller, weil es noch geheimer war: In seinem üblichen Vorwurf zum Sonntag beschuldigte Barzel die SPD in einem Zeitungsinterview, entscheidende Reformen versäumt zu haben. Reformen – er sagte es wörtlich! Damit gab er das bestgehütete Geheimnis der letzten 20 Jahre bundesdeutscher Politik preis, daß nämlich der CDU/CSU die Existenz des Wortes Reform bekannt war.

Barzel verriet noch nicht, wie groß der Kreis innerhalb der früheren Regierungsparteien war, der davon gewußt hat. Es ist aber anzunehmen, daß nicht nur er und sein Duzfreund F. J. Strauß in dieses Geheimnis eingeweiht waren, sondern auch noch andere höhere Funktionäre der Unionsparteien. Sollte sich bewahrheiten, was in Bonn jetzt allgemein vermutet wird, daß schon Adenauer das Wort Reform kannte – wenn auch nur in der rheinischen Variante Reförmschen – wäre die Sensation komplett.

In jedem Fall zeigt sich jetzt schon, daß die Anhänger der Unionsparteien von einer Handvoll Funktionäre bewußt belogen worden sind. Gerade das Versprechen, "keine Experimente" zu wagen, hatte Millionen Wähler seinerzeit bewogen, ihre Stimmen der CDU/CSU zu geben, in der berechtigten Annahme, daß die beiden Schwesterparteien weiter von jeder Art Fortschritt entfernt und weniger geneigt waren, ihn durch Reformen einzuholen, als irgendeine andere Partei. Doch während die damaligen Regierungsparteien durch ihre politische Arbeit den Wähler noch in seinem Glauben bestärkten, war ihren Führern das Wort Reform bereits geläufig.

Es wäre, nach Meinung vieler Bonner Beobachter, jetzt nicht mehr überraschend, wenn sich auch noch herausstellte, daß die CDU/CSU sogar das Wort sozial gekannt hätte.

An diesem Verdacht ändert auch der Beschwichtigungsversuch eines CDU-Sprechers nichts, der Barzels Bekenntnis dahin abschwächte, daß bei Reformen nur daran gedacht sei, die wirtschaftliche Stellung der Unternehmer zu verbessern. Inzwischen scheint. sich, ein neuer Eklat anzubahnen. Wie man aus Bonn hört, söll ein CDU-Abgeordneter in vertrautem Kreis erklärt haben, seine Frau habe mit seiner Billigung abgetrieben!

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Wenn sich dieses Gerücht bewahrheitet, scheint eine Krise in der CDU/CSU nicht mehr unwahrscheinlich.

Die Zeitungen des Springer-Konzerns erwägen deshalb, allen Angehörigen der Oppositionsparteien das Wort Reform durch eine einstweilige Verfügung zu verbieten.

Sade in Germany

Warum haben Sie das Kind mit dem Feuerhaken geprügelt?"

"Geprügelt? Nur ein Kläpschen! Ich konnte die Kohlenschaufel nicht finden!"

Ißt du nun deinen Teller brav auf? Du weißt doch, sonst bringt dir der Weihnachtsmann dieses Jahr wieder Daumenschrauben!"

Haben Sie als Nachbarn denn nicht das Schreien des verstorbenen Kleinen gehört?" "Doch, schon, aber wer denkt denn, daß die Eltern ihn umbringen! Wir meinten, er würde nur mal wieder ausgepeitscht!"

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Warum hat denn die Kleine, ein eingegipstes Bein?" "Da ist mir halt die Hand ausgerutscht! Eigentlich sollte es eine Ohrfeige werden!"

Der kleine Bub ist ja voller Splitter!" "Das müssen Sie dem Kaufmann sagen, der mir diese schlechten Besenstiele angedreht hat!"

Joachim Schwedhelm

Der Zeitgenosse

Sie rennen in die falsche Richtung.

Erwartungsvoll. Erfahrungsblind.

Sie wollen bis zur Selbstvernichtung

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dorthin, wo schon die andern sind.

Ihr Drang nach Gleichheit ist erklärbar.

Doch seine Grenze lautet schlicht:

Die Zahl der Särge ist vermehrbar.

Die Seen und Berge sind es nicht.

Der Zeitgenosse fährt seit Jahren

dorthin, wo andre (noch nicht) waren.

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Dieter Höss

Folgerichtig

Eine junge Mutter hat ihr zweites Kind zur Welt gebracht. Vorsichtig will sie ihren fünfjährigen Sohn darauf vorbereiten: "Mein kleiner Schatz, du hast jetzt ein Schwesterchen. Stell dir vor, gestern abend ist ein Storch am Fenster vorbeigeflogen, hat das Baby aufs Fenstersims gelegt, und wir haben es reingeholt, um es zu behalten." "Was denn!" ruft der Kleine empört, "Vater hat dich also mit einem Storch betrogen!"

Bei der Musterung. "Was sind Sie von Beruf?" wird der junge Mann gefragt.

"Ich erfinde Gags für Filme."

"Aha, können Sie uns mal erklären, wie Sie das machen?"

Der zukünftige Rekrut geht zur Tür, wendet sich an die Menge der Wartenden und ruft: "Sie können alle nach Hause.gehen – man hat mir die Stellung gegeben."

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Randspalten-Lyrik

Von Dieter Höss

Vertrimmt

Um sich fit zu halten

für den Betrieb,

ging Abteilungsleiter A.

stets nach Dienstschluß zur Sauna,

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lief dauer, fuhr rad.

Die Abteilung ging

an den halb so alten

Kollegen K.,

der nach Dienstschluß noch blieb, der stets da war für den Betrieb

oder jedenfalls munter

so tat...

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Wirtschaftliche Zusammenhänge

Wie man ißt, mein Lieber,

so schafft man auch!

sprach der Chef und ging über

zum siebten Gang

(Eisbombe, Sekt)

mit Behagen.

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Andern Morgens ging er zum Arzt: Das Klima in seinem Betrieb

war schon lang

genauso defekt

wie sein Magen.

Unterschied

Geld allein

ist gar nicht das Wichtige.

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Es ist schon ein

ganz, ganz andres Gefühl,

sprach der Buchhalter B.

(bisher 2 mal 3 Richtige)

zu seiner Schreibkraft, Frl. Irma,

wenn man nicht nur mal irgendwann

beim Lottospiel

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gewinnen kann –

sondern täglich

in seiner eigenen Firma.