Von Hans Leussink

In der letzten Woche drohte die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung zu platzen. Sie war vor einem Jahr gegründet worden, um die divergierenden Interessen der elf Länder und des Bundes aufeinander abzustimmen und so zum Hauptinstrument der Bildungsreform zu werden. Bundeswissenschaftsminister Hans Leussink, Vorsitzender dieser Kommission, beschreibt die in diesem Gremium aufgetretenen Probleme.

Die Arbeit des ersten Jahres gemeinsamer Bildungsplanung schien vorige Woche unerwartet in Frage gestellt. In der letzten Sitzung der Bund-Länder-Kommission war die Einigung bereits zum Greifen nahe. Es herrschte in den Sachfragen größere Übereinstimmung, als selbst Optimisten noch vor einem Jahr erhoffen konnten. Andererseits drohten keineswegs die grundsätzlichen Gegensätze überkleistert zu werden. Weniger aus sachlichen als aus parteitaktischen Überlegungen entschlossen sich jedoch die Kultusminister der Unionsländer vor der entscheidenden Abstimmung zum Auszug und beantworteten so das weite Entgegenkommen des Bundes und der SPD-Länder mit der Herbeiführung der Beschlußunfähigkeit. Dennoch hoffe ich zuversichtlich, mit Hilfe aller Gutwilligen das auf Grund gelaufene Schiff der Bildungsplaner wieder flott zu bekommen. Der Ausspruch, daß man nicht wie „beleidigte Tanten“ beiseite stehen bleiben werde, und meine Gespräche mit Bernhard Vogel, dem Kultusminister von Rheinland-Pfalz und Sprecher der CDU/CSU-Seite, berechtigen zu einer solchen Haltung.

Abgesehen von diesen Auseinandersetzungen der letzten Woche bereitet das Planungsgeschäft von der Sache her Schwierigkeiten, die wir vor einem Jahr, beim Betreten des Neulandes „Bildungsplanung“ nicht in allen Einzelheiten ahnten und die für den Außenstehenden nicht immer erkennbar sind.

Den Planungstheoretikern zufolge vollzieht sich langfristige Planung in einzelnen Schritten von der Zieldefinition über die Formulierung von Alternativ-Plänen und die Auswahl des optimalen Plans bis zur Aufstellung konkreter Programme und der Erfolgskontrolle durch Rückkoppelung. Grau ist jedoch alle Therorie, wenn eines der komplexesten Unternehmen im Bereich der Planung überhaupt praktisch vom Nullpunkt an binnen Jahresfrist durchgeführt werden soll. Die Zeit für eine genau eingehaltene Abfolge der Planungssequenzen blieb uns nicht. Die einzelnen Schritte überlagern sich teilweise und mögen beim flüchtigen Hinblicken nicht auffallen; sie werden aber auch in der Bildungsplanung alle vollzogen.

Die Planungsschwierigkeiten ergeben sich vor allem aus vier Problemkreisen:

  • aus der föderalistischen Struktur unseres Staates,
  • aus der Langfristanlage der Planung,
  • aus dem Mangel einer zuverlässigen Informationsbasis,
  • aus dem hohen Verknüpfungsgrad der Bildungsplanung nach innen und außen.