Der tschechische Hirtenjunge aus den Karpaten, dann Flüchtling, Hauptmann in der britischen Armee, Senkrechtstarter im Verlagsgeschäft, Pfundmillionär, Ex-Parlamentarier für Labour und Skandalfigur in der Londoner City – Robert Maxwell – macht wieder Schlagzeilen. Er hat das Department für Handel und Industrie verklagt und verlangt, daß ein offizieller Report über seine Geschäftspraktiken für null und nichtig erklärt werde. Der Selfmademan – dessen Bildungsweg im „Who’s who“ schlicht mit self-educated umschrieben wird – möchte sich bei seinem comeback in den von ihm gegründeten, aber seit zwei Jahren von Außenseitern geleiteten Pergamon-Verlag nicht aufhalten lassen.

Die Geschichte ist lang und verworren. Vor genau zwei Jahren hatte Ian Robert Maxwell für seinen wissenschaftlichen Verlag einen Käufer gefunden. Das Geld, das er für seinen geplanten Einstieg ins Zeitungsviertel von Fleet Street brauchte, schien ihm sicher. Denn der junge Amerikaner Saul Steinberg wollte sein – ebenfalls im Alleingang – errichtetes Computerreich „Leasco“ auf Europa ausdehnen. Die beiden „Tycoons“ waren sich schnell einig.

Am 18. Juni 1969 offerierte Steinberg 37 Shilling pro Pergamon-Aktie und bewertete den Verlag damit auf 25 Millionen Pfund. Der Handel schien perfekt. Doch Steinberg verzichtete am 21. August 1969 auf Anraten der Rothschiild-Bank plötzlich auf den Kauf, obwohl er an der Börse bereits 38 Prozent des Pergamon-Aktienkapitals erworben hatte. Er sei, so sagte er, von Maxwell mit allzu optimistischen Profitrechnungen und Prognosen übers Ohr gehauen worden.

Die Verwirrung war vollkommen: Der Handel von Pergamon-Papieren wurde von der London Börse suspendiert, das Board of Trade kündigte eine offizielle Untersuchung an (dieser Report nun ist Gegenstand der Klage), und auf einer außerordentlichen Hauptversammlung vom 10. Oktober 1969 ließ Steinberg mit Kapitalshilfe der institutionellen Anleger (19 Prozent des AK) den alten Boß aus dem Präsidentensessel wählen. Um Robert Maxwell und den „größten City-Skandal der Geschichte“ (Financial Times) wurde es still.

Maxwell, dessen politische Karriere durch die Wahlniederlage vom Juni 1970 ebenfalls ein abruptes Ende fand, widmete sich seiner Familie, wurde Gastdozent in Harvard, schrieb an einem Buch über „Die Schuldigen des 20. Jahrhunderts“ und versprach den Pergamon-Kleinaktionären ( 10 prozentagien baisebal ), „ unsteller weiter- sukampfen“, damit sie mit ihren Papieren endlich wieder et was anzufangen weißen wußten.

Im April 1971 hatte er Erfolg. Der neue Fergamon-Vorstand nahm ihn wieder auf, als „nonmanaging director and Publishing Consultant“. Alle Querelen waren begraben. Maxwell sollte seine amerikanische Pergamon-Tochter MSI (zu 100 Prozent in seinem Besitz) wieder zur Mutter zurückführen, Pergamon so mit 1,5 Millionen Dollar auspolstern und mit seinen reichen Verleger-Erfahrungen dafür sorgen, daß „sein“ Unternehmen wieder wie zu „seiner“ Zeit jährlich 500 statt der nun nur 200 Titel veröffentlichen könnte.

In einem ganzseitigen Interview mit der Sunday Times gab Maxwell zudem bekannt, daß er erst dann wieder ganz zufrieden sein könne, wenn er auch die ausstehenden 73 Prozent Pergamon-Papiere aufgekauft habe. Von den Aktionären sollte er diesen Herbst auf seinem neuen Posten eigentlich nur bestätigt werden.