Kenner der afrikanisch-arabischen Szene haben den Sturz des sudanesischen Staatschefs vorausgesagt. General Numeiri gelang es in den zwei Jahren seiner Revolutionsherrschaft nicht, seinen Kurs links von der Mitte erfolgreich zu steuern. Jetzt haben die von ihm im letzten Jahr ausgebooteten radikalen Marxisten das Staatsruder ergriffen und es mit einem Ruck nach links geworfen. Als erstes hoben sie das Verbot der kommunistischen Partei auf.

Ob Major Haschem Al Ata mit den Problemen seines Landes besser fertig wird als sein Vorgänger, ist eine Preisfrage. Die Abnahme der Baumwollernte durch die Länder des Ostens garantiert noch keinen Wohlstand. Die Anlehnung an den Irak bringt nicht viel ein: Der Irak ist selber ein armes Land. Der Sudan braucht Fremdkapital. Die reichen arabischen Bruderstaaten Kuwait oder Libyen, die als Helfer in Frage kämen, sträuben sich aber, ein Linksregime in Khartum zu unterstützen. Auch besteht wenig Aussicht, daß sich Ägypten seinem südlichen Nachbarn gegenüber nun freundschaftlicher zeigt. Sadat wollte schon den gemäßigten Linkskurs Numeiris nicht tolerieren.

Bleibt das große Problem des kleinen Krieges mit den christlichen Stämmen im Süden des Landes. Das Versprechen des neuen Staatschefs, dem Südsudan größere Autonomie zu gewähren, ist alt. Bisher haben alle, die in Khartum regierten, es abgelegt, aber eingelöst hat es keiner. Die Zukunft des Landes ist so düster wie zuvor. v. K.