Köln

Was immer der spurlos verschwundene ehemalige Strafgefangene Schuster sein mag, in kleiner Geschäftemacher oder ein DDR-Agent, wir verdanken ihm viel. Hätte er nicht im neuen Kölner „Klingelpütz“ einige vertrauliche, aber ziemlich belanglose Verfassungsschutzpapiere beiseite geschafft, wäre es nicht zu jenem offenherzigen Untersuchungsbericht des Bundesinnenministeums gekommen, der einen Blick in das geheimnisvolle Metier der Verfassungshüter erlaubt.

Wir sehen: Sie haben nur Gutes gewollt, aber chlechtes bewirkt. Auch ihre Behörde leidet an einer Überproduktion von Papier, so daß sich die mtseigenen Reißwölfe verschlucken. Jedes andere Amt hätte in dieser Lage nach größeren Anagen gerufen. Nicht so die Verfassungsschützer: Das Gebot staatlicher Sparsamkeit im Sinn, wichen sie auf den Müllofen des nahegelegenen Klingelpütz aus.

Das freilich war verhängnisvoll. Denn selbst dem Späherblick der Verfassungsschützer blieb eine Möglichkeit verborgen, Akten vor der Verbrennung aus der Anlage herauszufischen. Außerdem trug der zuständige Sicherheitsbeamte die „Verschlußsachenanweisung für Bundesbehörden“ nicht unter dem Arm, deren Paragraph 30 besagt, daß Akten nur von Personen vernichtet werden dürfen, die zur Geheimhaltung verpflichtet sind.

So kam die falsche Sparsamkeit vor dem Fall. Dienstrechtliche Maßnahmen gegen die Verantwortlichen sind natürlich notwendig. Aber ein Abgrund von Landesverrat hat sich, glücklicherweise, nicht aufgetan. Und eigentlich ist es beruhigend zu wissen, daß auch Verfassungsschützer. normale Menschen mit normalem Schicksal sind, denen die gute Absicht mitunter zum Schlechten ausschlägt. Indem er uns diese Erkenntnis vermittelte und die Panne selbst aufdeckte, hat sich der ehemalige Sträfling Schuster im Grunde um den Verfassungsschutz sogar verdient gemacht.

C. C. K.