Hugo Mann schockiert seine Konkurrenten mit moderner Verkaufsstrategie und seine Beschäftigten mit einem frühkapitalistischen Führungsstil

Von Hans Otto Eglau

Im Stil abgebrühter Geheimdienstleute pflegen die örtlichen Funktionäre der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) in Karlsruhe vorzugehen, wenn sie mit ihren in der Firmengruppe Mann beschäftigten Mitgliedern in Kontakt treten.

In Telephongesprächen mit ihren Schützlingen übermitteln die Gewerkschaftler lediglich verschlüsselte Botschaften; schriftliche Informationen adressieren sie ausnahmslos an deren Privatanschriften; auch Beiträge ziehen sie nicht – wie in anderen Firmen – am Arbeitsplatz ein.

Aus der Trickkiste der James-Bond-Branche bedienen sich die badischen Arbeitnehmer-Vertreter, um die Gewerkschaftszugehörigkeit ihrer Leute vor Firmenchef Hugo Mann geheimzuhalten. Denn der 57jährige Schwabe, der über zehn Möbelgeschäfte in süddeutschen Großstädten, fünf „Wertkauf“-Center und zwei „Möbilia“-Einrichtungshäuser gebietet, die alle zusammen auf einen Jahresumsatz von knapp Mark kommen, gilt als eingefleischter Gewerkschaftsgegner.

„Als zuständige Bezirksgeschäftsstelle der DAG müssen wir leider feststellen, daß in unserem Bereich Herr Mann einer der wenigen Arbeitgeber ist, der jeden gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer, sollte er das festgestellt haben, form- und fristgerecht ohne Angabe von Gründen entläßt“, erklärt ein Sprecher der Gewerkschaft.

Die Karlsruher Funktionäre, die bei ihrem Amtsantritt artig um Gelegenheit zu einem Höflichkeitsbesuch baten, erhielten von Mann nicht einmal eine Antwort. Keines Satzes würdigte er bisher auch ihre Bitten um ein Gespräch über die Wahl eines Betriebsrates, den es bis heute in seinem Hause nicht gibt. Vor Hugo Manns Verwaltung verteilten HBV und DAG kürzlich ein gemeinsam verfaßtes Flugblatt, das sich „an alle Beschäftigten der Häuser WERTKAUF und MÖBEL-MANN“ wendet und in der Frage gipfelt: „Sind bei Herrn Mann Arbeitnehmer noch Leibeigene, und dürfen sie von ihren demokratischen Rechten keinen Gebrauch machen?“ Drohend fügten sie hinzu: „Unterschätzt Herr Mann die gewerkschaftliche Kraft?“