Max Grundig ist wieder ins Gerede gekommen. Ein großer ausländischer Konzern sei um eine Minderheitsbeteiligung an der künftigen Grundig Werke AG bemüht, hieß es vor allem in Bankkreisen. Dabei tippten die einen auf Philips, die anderer, auf die US-Firma Radio Corporation of America (RCA), die einen Brückenkopf in der Bundesrepublik sucht, nachdem sie sich in anderen europäischen Ländern bereits engagiert hat.

„Alles Gerüchte, lanciert von Leuten, die mich aus der Reserve herauslocken wollen“, versichert Max Grundig, der seinen Urlaub kurz unterbrochen hat, um in Fürth selbst ein offizielles Dementi zu formulieren. Er verhehlt jedoch, nicht, daß es mehrere „Leute“ gibt, die sich gerne mit ihm „arrangieren“ möchten. Er habe aber keine Veranlassung, sich gegenwärtig zu binden.

Für den Fall, daß seine Firma einen Teilhaber brauche, habe er vorgesorgt. Das Aktienkapital der AG (180 bis 240 Millionen Mark) soll dann aus 51 Prozent Stammaktien und 49 Prozent stimmrechtslosen Vorzugsaktien bestehen. Nur die Hälfte der Stammaktien muß immer im Besitz der – bereits etablierten – Max Grundig Stiftung“ bleiben.

In seinem „Fahrplan“ will sich der Konzernchef nicht beirren lassen: „Im ersten Jahr nach der Gründung der AG geschieht erst mal gar nichts.“ Frühestens 1973 also wäre ein Arrangement denkbar, denn am 1. April 1972 tritt die AG in Aktion. Eine Übereinkunft mit den Amerikanern scheide dabei aus, bemerkt Grundig kategorisch. Insgeheim freilich hat Grundig den Ehrgeiz, den Konkurrenten gegenüber aufzutrumpfen. „Es liegt nahe, einem Konzern wie Philips etwas Gleichwertiges entgegenzustellen“, sinniert der fränkische Selfmademan. Für das Management hat er bereits einen Mann aus der Branche engagiert: Hans Heinz Griesmeier, bislang Generaldirektor bei der Grundig-Konkurrenz Loewe-Opta.