„Besser, als es hätte kommen können“, überschrieb die Londoner Times ihren Kommentar zum Labour-Sonderparteitag, auf dem sich die Oppositionspartei am vergangenen Samstag mit dem britischen EWG-Beitritt befaßte. Parteichef Wilson konnte in der Tat einen energischen Vorstoß der Anti-Europäer abwehren: Mit 3,1 gegen 2,6 Millionen Stimmen verwarfen die Delegierten einen Antrag, schon jetzt ein förmliches „Nein“ zu beschließen.

Aber Wilsons Rede ließ keinen Zweifel, daß er am 28. Juli, nach einer viertägigen Unterhausdebatte, seine Partei gegen den Beitritt stimmen lassen will. Dabei hat er, wie der Parteitag zeigte, rund zwei Drittel der Partei auf seiner Seite: freilich mehr aus prinzipiellen als sachlichen Gründen. Denn Wilsons weithergeholte Argumente konnten nicht überzeugen. Roy Jenkins, zweiter Mann der Labour-Partei, erklärte denn auch nach dem Parteitag, die ausgehandelten Bedingungen seien so günstig, daß eine Labourregierung sie akzeptiert hätte. Die Beitrittsanhänger zweifeln an Wilsons Begründung, er dürfe die Einheit der Partei nicht aufs Spiel setzen – eine Überlegung, die auch Bundeskanzler Brandt in einem Privatbrief an Wilson berücksichtigte, in dem er für einen Beitritt plädierte.

Nicht minder Rücksicht verlangen die britischen Gewerkschaften von der Opposition. Nach dem Stand vom vorigen Wochenende haben sich 25 Gewerkschaften mit 3 328 721 Mitgliedern gegen einen Beitritt festgelegt. Vier Gewerkschaften mit 1 049 536 Mitgliedern befürworten ihn; neun Gewerkschaften mit 547 854 Mitgliedern sind noch unentschieden, und eine Gewerkschaft will ihre 350 000 Mitglieder bis zum Oktober über die Beitrittsfrage abstimmen lassen.