Schon der erste offizielle Beschluß eines ihrer Parteiverbände spiegelt das Führungsdilemma der CDU wider: Das Votum der Jungen Union für Rainer Barzel als Kanzlerkandidaten, aber für Helmut Kohl als Parteivorsitzenden zeigt aufs neue, daß die CDU keinen unumstrittenen ersten Mann mehr besitzt.

Dieses Dilemma und die Verbannung in die Opposition lassen immer mehr Christliche Demokraten ernsthaft fragen, ob es ratsam sei, zu einer Ein-Mann-Herrschaft zurückzukehren. Die Partei hat darunter stets gelitten; sie war ein Anhängsel des CDU-Kanzlers, sie wurde organisatorisch vernachlässigt und hat erst in der letzten Zeit eigene programmatische Impulse entwickelt.

Freilich, hinter dem Plädoyer für die Trennung von Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz steckt auch ein taktisches Kalkül: Scheitert Barzel 1973 im Duell mit Brandt, was viele für ausgemacht halten, so wäre der Weg für Kohl frei, wenn er als CDU-Chef auch auf der Bonner Bühne Profil gewänne. Aus eben diesem Grund besteht Barzel darauf, daß alle Ämter in einer, in seiner Hand vereinigt werden müßten; und aus demselben Grunde empfiehlt sich Kohl als Sachwalter und Reformer der Partei. Beide haben sich so sehr festgelegt, daß ein Gespann Barzel/Kohl, von politischen und persönlichen Animositäten zwischen ihnen abgesehen, unmöglich erscheint.

So werden die Delegierten des Parteitags im Herbst nicht nur zwischen zwei Personen, sondern auch zwischen zwei Konzepten zu wählen haben. Barzel sucht die Entscheidung schon 1973 und will alles auf eine Karte setzen; Kohl und seine Anhänger schließen zwar einen Erfolg der Union bei der nächsten Bundestagswahl nicht aus. Aber für den Fall einer Niederlage wollen sie schon jetzt vorbauen, um mit einer gründlich reformierten CDU die Wahlschlacht von 1977 siegreich schlagen zu können. C. C. K.