Für die Schönfärber sind schlechtere Zeitenangebrochen. Die alarmierenden Berechnungen des Bonner Wirtschaftswissenschaftlers Wilhelm Krelle, wonach nur 1,7 Prozent aller privaten Haushalte 70 Prozent des Produktivvermögens besitzen, wurden in jüngster Zeit immer wieder mit der Bemerkung zu entwerten versucht, es handele sich um längst überholte, veraltete Zahlen. Tatsächlich hatte Krelle sich auf Unterlagen gestützt, die nicht über das Jahr 1960 hinausreichten.

Die durch vielerlei Beobachtungen gestützte Vermutung, daß sich in der Zwischenzeit an der Vermögenskonzentration wenig geändert hat, wurde jetzt bestätigt. Jürgen Siebke, Mitarbeiter am Krelle-Gutachten, hat die Schätzungen im Auftrag der Bundesregierung jetzt bis zum Jahr 1966 fortgeführt. Sein Ergebnis: Anfang 1966 verfügten 1,7 Prozent der Haushalte über 73,5 Prozent des Eigentums an Unternehmungen. Von einer gleichmäßigeren Verteilung des Besitzes am Produktivkapital also keine Rede. Es liegt nach wie vor überwiegend der Hand einiger „Reicher und Superreicher“.

Es gibt deshalb keinen Grund, die Diskussion um eine neue Vermögenspolitik als überflüssig abzutun. Sie ist notwendiger denn je. mj