Als ein russischer Handelsrat vor mehr als zehn Jahren mit der Bahn von Frankfurt nach Leningrad fahren wollte, ließ er bei einem kleinen Reisebüro in Bad Honnef anfragen, ob er wohl an der polnisch-russischen Grenze werde umsteigen müssen. Aus dem Kursbuch war, es nicht zu ersehen. Der Geschäftsführer entsann sich seines Schulwissens und beschied den Diplomaten: Man muß umsteigen. Ein anderes, zugleich über den selben Sachverhalt befragtes Reisebüro glaubte, das Gegenteil sei richtig. Dort wurde die Reise gebucht. Tatsächlich muß man aber umsteigen. Der Geschäftsführer hatte nur interpretiert, was er in der Schule gelernt hatte. In Rußland, so erinnerte er sich, ist die Schienenspurbreite anders als in Europa. Von Stund an: war Geschäftsführer Folke von Knobloch der Experte. Im Jahr darauf eröffnete er in Köln ein eigenes Reisebüro. Er nannte es Osttourist-Reisebüro.

Der Experte veranstaltet (IT-)Reisen in den Osten, so unkomplizierte und gängige wie Flugpauschalreisen nach Moskau und Leningrad (knapp eine Woche, ab 890 und 741 Mark) und so komplizierte und ungewöhnliche wie nach Albanien (14 Tage, Vollpension, ab 580 Mark) und nach Kuba (16 Tage, Vollpension, zwischen 2131 und 2936 Mark). Folke von Knobloch: „Das Ostgeschäft ist ein haariges Geschäft, ewig politischen Schwankungen unterworfen.“ Beispiel Albanien: Der Experte hatte einen Vertrag über jährlich 1000 Autotouristen nach Albanien unterschrieben. Die Regierung jedoch untersagte individuelle Einreisen. Der Vertrag wurde gekündigt, weil die Autoreisenden ausblieben. Jetzt gibt es nur noch Gruppenreisen nach Albanien via Wien in Zusammenarbeit mit einem kleinen österreichischen Touristikunternehmen. Osttourist ist das einzige westdeutsche Reisebüro mit Albanien im Angebot.

Der Kreis der Interessenten ist verhältnismäßig klein, jährlich einige hundert Autoreisende nach Rußland, vielleicht 20 oder 30 Albanientouristen, insgesamt etwa 3500 Buchungen im Jahr. Die Prospekte erscheinen in unterschiedlichen Auflagen, höchstens jedoch 20 000 Stück. Folke von Knobloch: „Manche Prospekte drucken wir gar nicht...“ Zum Beispiel China. Das Kölner Unternehmen hat die ersten (1964) und die letzten (1967) Chinareisen für Bundesbürger arrangiert. Der Chef ist fest überzeugt, daß Chinas Grenzen bald wieder aufgehen. Die Reise wird denen der 60er Jahre gleichen. Geschätzter Preis: zwischen 4000 und 5000 Mark. „Vielleicht schon im nächsten Frühjahr.“ Der Experte hat bereits eine Warteliste mit ungefähr 200 Namen, und täglich kommen neue Anfragen. Folke von Knobloch: „Der Umsatz würde sich um 30 Prozent steigern.“ Jahresumsatz ohne China: drei Millionen Mark. bo