Auch ein Gesetz, das vermutlich niemals angewandt werden muß, kann nach Ansicht der Bundesregierung hilfreich sein. Ihr Grundsatzbeschluß, deutsche Unternehmen, die aus dem Ausland Kredite hereinholen, einen Teil davon zinslos bei der Bundesbank hinterlegen zu lassen – als „Bardepot“ –, soll allein durch seinen kalkulierbaren Abschreckungseffekt den Geld- und Kapitalstrom aus dem Ausland unter Kontrolle bringen.

Denn: Finanzkredite – nur um sie geht es – aus dem Ausland sind seit dem 21. Juli nicht mehr billiger als Kredite von inländischen Darlehensgebern.

Noch gibt es das Bardepot-Gesetz nicht, auf dessen Grundlage die Regierung per Rechtsverordnung solchermaßen auch die Nichtbanken zur Mindestreservehaltung zwingen kann. Es wird indes rückwirkend gelten und alle treffen, die nach dem 20. Juri Kredite aus dem Ausland bekommen haben. Mit Sicherheit auch jene, die schon vorher Kredite hatten, die nun prolongiert werden müssen.

Die Bedeutung des Grundsatzbeschlusses beweisen folgende Zahlen: Seit Anfang vergangenen Jahres hat die Bundesrepublik Geld und Kapital in Höhe von 38 Milliarden Mark aus dem Ausland importiert. Rund 40 Prozent davon sind – im Gegensatz zu den leads und lags aus dem üblichen Warenverkehr – Finanzkredite: Also rund 15 Milliarden Mark gegenüber knapp fünf Milliarden Mark vor einem Jahr.

Deutsche Unternehmen, die vielfach im Stile von Banken über ausländische Finanzholdings dieses Geld besorgt haben, sind nun auch der Bankenpflicht zur Mindestreservehaltung unterworfen.

Maximal wird, so Minister Schillers Geld- und Kreditexperte Wilhelm Hankel, das Bardepot 50 Prozent des hereingeholten Kredits erreichen. Freilich: Betroffen sind nur Kreditsummen von mindestens einer Million Mark. Etwa 300 Unternehmen müssen nach dem gegenwärtigen Stand ein zinsloses Depot anlegen. Für die kleineren bleibt alles beim alten.

Gelassen zeigt sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Wenn er auch nicht hoffen kann, daß die Regelung umgangen werden kann, so hält er immerhin diese zu erwartende Mindestgrenze für „vernünftig“. Der Bundesverband deutscher Banken äußerte Genugtuung, kann er doch nun damit rechnen, untreu gewordene Kreditkunden wiederzugewinnen.

Freude herrscht schließlich auch in Paris: Die Bundesregierung, so sagt man dort, habe sich der französischen Vorliebe für eine administrative Behandlung unerwünschter Geld- und Kapitalzuflüsse angenähert. pl