"Ach, Mist!" sagte Franz.

Die Sonne stand halbhoch jenseits des Stroms. Sie blieben stehen, weil Jakob fotografieren wollte. Er machte zwei Aufnahmen, eine nach Südwesten, ins Gegenlicht, die andere, mit der Sonne im Rücken, von den Hafenanlagen im Osten. Er blickte dabei nach unten, auf die Mattscheibe seiner Rolleiflex; bei der ersten Aufnahme lag die Horizontlinie, der weit entfernte Deich des Alten Landes, als dunkler Strich hoch im Bild, zwischen der grau schimmernden Wasserebene und dem flachen Rechteck eines Himmels, der fast weiß war; bei der zweiten standen die Öltanks am Petroleum-Hafen, die Hellinge auf Waltershof und die Dockwände tiefer drinnen im Hafen gut ausgeleuchtet, rot, rostig und schwarz, unten am Rand eines monochrom blauen Herbstes.

"Das Bild gibt in Schwarzweiß nichts her", sagte Jakob. "Schade, daß es noch keine guten Farbfilme gibt."

Franz betrachtete seinen Bruder, wie er entschlossen auf die Mattscheibe starrte. Jakob war kleiner als er, fester, stämmig, seine Haare waren rötlich, auch sein Gesicht, das immer wie entzündet wirkte. Sein Kinn war ein kräftiges Quadrat, das sich vorschob, wenn Jakob über etwas nachdachte oder wenn er einen Gegenstand untersuchte, wie jetzt. Wir haben in der ganzen Familie sonst kein solches Kinn, dachte Franz.

"Du mußt eben malen", sagte er. "Warum gehst du nicht in eure Malklasse?"

Jakob beobachtete das Bild auf der Mattscheibe länger als nötig, ehe er auf den Auslöser drückte. Dann klappte er den Sucherschacht zu.

"Man kann nicht einfach malen", sagte er, während sie weitergingen. "Du hast keine Ahnung."