Von Horst Vetten

Die Richter sind frei. Die Berichterstatter sind es auch. Horst Vetten schildert das Verfahren des Deutschen Fußballbundes aus seiner Sicht:

Drei Männern ist verboten worden, ihren Beruf auszuüben, vier weitere sind für unfähig erklärt, das auszuüben, was man im deutschen Verein "Ehrenämter" nennt. Der eiserne Besen ist geschwungen, unterm Kehricht finden sich sozusagen als Sperrmüll drei Leichen, und bei den Reinigungsarbeiten hat sich der Straßenkehrer selbst erheblich verletzt.

Das ist das Fazit einer Sport-"Gerichts"-Verhandlung beim Deutschen Fußballbund, die ihresgleichen vorher nicht gehabt hat, jedoch Fortsetzungen finden wird, und deren letzte der Schlußteil allen bezahlten Fußballspielens sein wird.

Was zur Posse hätte geraten können, eigentlich hätte geraten müssen, entwickelte sich in Frankfurt zum deutschen Melodrama Wagnerischen Zuschnitts. Es galt dem Ankläger Kindermann (einem leibhaftigen Landgerichtsdirektor) und dem Vorsitzenden Kirsch (noch ein Landgerichtsdirektor) zufolge, über einen solchen Packen Ehre und Ehrhaftigkeit zu rechten, das einem gewöhnlichen Sterblichen (sagen wir beispielsweise einem Landgerichtsdirektor) angst und bange werden konnte vor so hohem geschichtlichem Auftrag.

Dabei ist nur folgendes passiert (wenn die Anklage recht hat): Ein paar Leute dieser Branche haben versucht zu kungeln, dies freilich allenfalls im Format vorstädtischer Karnickel-Spitzbuben oder andersherum (wenn man den Einlassungen der Angeklagten folgt): Ein paar Rechtschaffene haben versucht, ein paar Unredliche über den Löffel zu balbieren, wobei betrüblicherweise, wie so oft, das Unrecht die Oberhand behalten hat.

Bild-Schlagzeile und ZDF-Fernsehsendung ordneten die Vorkommnisse in die Schublade für nationale Anliegen ein, und da sind sie seither nicht mehr herauszukriegen. Ein schüchterner Versuch des Deutschen Fußballbundes, die Sache herunterzuspielen, kam viel zu spät. Fußball ist Volkes Sache, und man müßte schon öffentlich einen Dackel verbrennen, um den Volkszorn umzuleiten und in der Sauregurkenzeit eine noch bessere Schlagzeile zu haben.