DIE NEUE SCHALLPLATTE

Wenn Sie Schallplatten kaufen, dann –

Unbedingt:

Toni Mitchell: "Blue"; Reprise 44 128, 20,–DM

Seit die Kanadierin Toni Mitchell ihre sehr privaten, stark autobiographisch geprägten Lieder schreibt und singt, hat die Falk Music endgültig ihren Protestcharakter verloren. Sie ist die Hohepriesterin und zugleich Kultobjekt der neuen Folksong-Romantik. Deren Kanon definieren die vier besten Kompositionen ihres vierten Albums, "Carey", "All I Want", "Blue" und "This Flight Tonight".

Nach Möglichkeit:

The Grease Band: "The Grease Band"; Harvest 1 C 062-92 324, 20,– DM

Die Greise Band hat sich vom Rhythm-&-Blues-Sound emanzipiert. Sie scheint neuerdings die Geschichte der amerikanischen Populärmusik und ihrer Stile aufarbeiten zu wollen – allerdings auf sehr unakademische Weise. Ihre wenig historisierend-sophistischen und balladenhaften Kompositionen haben trotz aller Anleihen unverwechselbare Identität.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Vielleicht:

The Lovin’s Spoonful: "Featuring John Sebastian"; Polydor 2 625 010, 25,– DM

Zwischen 1965 und 1967 spielten sie mit Vorliebe den Summertime Blues der amerikanischen Highschool-Teenager. Niemand, nicht einmal die Beatles, formulierte damals den dieser Musik immanenten Generationenkonflikt so bildhaft und präzis wie John Sebastian. Fünf der 24 Nummern sind Auskoppelungen aus der letzten, in Deutschland nie veröffentlichten LP der Lovin’ Spoonful. – Die am besten gelungene, wenn auch nicht musikalisch wichtigste Veröffentlichung in der "Pop-History"-Serie der Deutschen Grammophon.

Besser nicht:

David Crosby: "If I Could Only Remember My Name"; Atlantic 50 005, 20,– DM

Von dem ehemaligen Byrds-Gitarristen und Autor solch komplexer Nummern wie "Mind Gardens" und "Triad" hätte man ein anderes Album erwarten dürfen als diese teils gefühlige, teils unerträglich melodramatische "muzak". Auch Crosbys Umgebung war während der Aufnahmen offenbar von allen guten Geistern des Rock ’n’ Roll verlassen. Franz Schöler