Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr entwarf ein Stückchen Utopie: Die öffentlichen Nahverkehrsmittel, so forderte die Gewerkschaft in einem Zwei-Stufen-Plan für eine Verbesserung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs, müssen „sicher, pünktlich, schnell und bequem“ gemacht werden, um den „zivilisatorischen Notstand“ in den Städten und Ballungsgebieten einzudämmen.

Phase eins: Verzicht auf; jede weitere Fahr-Preiserhöhung, Verbesserung der Verkehrsstruktur durch stärkere Fahrplandichte, größere Sitzplatzangebote, bessere Fahrzeugausstattung.

Phase zwei: Integrierte Verkehrssysteme in den Ballungsräumen, absolutes Vorfahrtsrecht für die öffentlichen Verkehrsmittel und ein Einheitstarif von „höchstens 30 Pfennig“.

Sofortmaßnahmen: Rückerstattung der Mineralölsteuer an die öffentlichen Verkehrsbetriebe, Entlastung von der Mehrwertsteuer und Fortfall der Konzessionsabgaben an die Gemeinden.

Vor genau zwei Jahren schickte sich eine Stadt an, der Utopie in Schritten näher zu kommen: In Hannover wurde 1969 die bislang private Überlandstraßenbahn (Üstra) kommunalisiert und zusammen mit Bundesbahn, Post und zwei weiteren privaten Busbetrieben in einen Verband Großraum Hannover eingebracht.

Für ein Gebiet von der Größe des Saarlandes mit rund 1,1 Millionen Einwohnern in etwa 200 Gemeinden sollte, so Paragraph eins der Rahmenvereinbarung vom März 1970, „ein einheitlich gestaltetes, auf die Verkehrsbedürfnisse abgestimmtes Netz mit koordinierten Fahrplänen und Betriebsleistungen“ entwickelt werden. Und es kam der Einheitstarif: 50 Pfennige pro Fahrt auf Sammelfahrschein und 70 Pfennig je Einzelfahrschein.

Dieser von Kommunalpolitikern viel beachtete Schritt war in erster Linie dem Druck der Straße zu danken. Die von der Üstra verlangten beträchtlichen Fahrpreiserhöhungen brachten im Juni 1969 Schüler und Studenten auf die Straße, und die Bevölkerung solidarisierte sich mit den Demonstranten. Die kostenlose Mitfahraktion „Roter Punkt“ funktionierte beispielhaft.