Wenn schon Dürer total für die Alten, warum dann nicht auch den altdeutschen Künstler für die Kleineren und Jüngeren zubereiten? Von solch durchaus berechtigter Frage ausgehend, haben sich Autoren, Graphiker und Verleger von unterschiedlichen Positionen her dem Manne aus Nürnberg genähert. Respektvoll und mit gezogenem Hut die einen, respektlos, zottelbärtig und mit aufgekrempelten Ärmeln die anderen. Die Ehrerbietigen: der Arena-Verlag, Würzburg, der einen jahrzehntealten Oldtimer aufrüstete und ihn als Taschentitel herausbrachte: „Der Maler aus Nürnberg“ von Irmgard von Roeder (2,80 DM), und „Dürer“ in der verdienstvollen Reihe des Verlags S. A. Weber, Genf, die Ernest Raboff betreut. Mit angemessener Werkgerechtigkeit gelingt die Annäherung an Mensch und Malerei, Zeithintergrund und Universalität des bedeutenden Nürnbergers (12,80 DM).

Die Hemdsärmeligen: was Fridhelm Klein und Wolfgang Zacharias in ihrem „Dürer-Spielbuch“ zustande brachten, ist ein Dürer zur Kinder- und Volksbelustigung. Puzzles, Suchbilder, Kombinationen geheiligter Stücke mit Düsenbrummern, Mickymaus und Asterix, Sprechblasen aus altehrwürdigen Mündern und aktiver Umgang mit Hampelfiguren, die aus Dürers Menagerie oder seinen anatomischen Versuchen stammen. Dem Kinde ab vier Jahren ist Spiel- und geistreiches Beschäftigungsmaterial an die Hand gegeben. Kreativ kann es sich Dürer erschneiden, erkleben und erbasteln (Parabel Verlag, München; 60 S., 9,80 DM).

Damit nicht genug, haben die beiden Kunsterzieher zwei großformatige Poster collagiert, genau genannt: „Dürer-Spiel-Poster“ Nr. 1 und Nr. 2, die gleichfalls demontiert werden dürfen. Tiere können ausgemalt, angepinselt, ausgeschnitten, geknifft und aufgestellt werden. Dürer wird durch „Dürer-Diesel“, in Kombination mit modernen Maschinen, Hochhäusern, Präzisions-Uhren, Fernsehturm und mit vielen Dürer-Motiven ein Zeitgenosse unserer Zöglinge.

„Visuelle Kommunikation“, „Kreativität“, „haptisches Training“, „musische Aktivierung“ stehen auch als Programm hinter der „Super-Dürer-Spiel & Material-Buch-Kassette“, 36 mal 30 mal 5 Zentimeter tief gezogen, handgefertigt in zwanzig Exemplaren; bei Bestellung erfolgt Lieferung nach etwa vierzehn Tagen, Preis: 52 DM. (8 München 13, Zacharias, Amalienstr. 42, Telephon: 28 46 51.)

Kinder zwischen drei und dreizehn Jahren haben sich nach Erhalt dieses stimulierenden Objekt-Pakets sofort im Sinne der Macher über Hasenfell und Grasstück, über Dürer-Feuerhölzer, ein Stück Rhinohaut, das liebliche Dürer-Baby und die Einzelstücke des „Dürer-Tierparks“ hergemacht. Der Lernprozeß hatte durchschlagenden Erfolg. Die Kinder, und mit ihnen die Erwachsenen, fanden über UHU, Lollylutschen, Mickymausbetrachten Zugang zum Nürnberger Meister. Spiel und Kunst, Schulung aller Sinne, Witz, Ironie und tiefere Bedeutung finden zueinander. Falls Dürer Sinn für Humor haben sollte, muß er über diesen Annäherungsversuch mächtig aus dem Musenhimmel heruntergegrinst haben! Nicht zu vergessen: Dürer ist auch nahrhaft. Die vier beigelegten Kürbissamen gehen schon gut im Topf auf. Wir werden, sie morgen noch auspflanzen und im Herbst herzhaftes „Dürer-Gedenk-Kompott“ schmausen, wobei unsere Familiengüter der betenden Hände (Bronze-Flachrelief auf Holzplatte), das große Rasenstück (auf vergilbter Feldpostkarte) und das Hasenbild (Kunstdruck aus „Heim und Welt“) uns von der Zimmerwand zuschauen dürfen!

Horst Künnemann