Hans Habe: "Wie einst David. Entscheidung in Israel. Ein Erlebnisbericht"; Walter-Verlag, Olten, 1971; 312 Seiten, 17,– DM.

Da steht Hans Habe nicht allein: Wer zum erstenmal nach Israel kommt, ist erst einmal fasziniert – von dem Land, der Landschaft, den Menschen, der Situation. Vielen geht es so. Aber ein scharfes Auge, ein kritischer Verstand, klare Kenntnis der Geschichte – Attribute also eines weitgereisten, belesenen, urteilsgewandten Schriftstellers – sollten doch einem Hans Habe zugemutet werden dürfen, wo es ihm schon seine Bewunderer unbesehen immerfort zutrauen. Hier ist nichts davon, hier tritt nur noch der "Welt-am-Sonntag"-Kolumnist auf, im Gewande des Israel-Propagandisten.

Hans Habe im Kampfanzug, ein Pseudokrieger. Die Juden können nicht stolz auf ihn sein. Die Niederschrift seiner Reiseeindrücke muß sie ärgern. So arg loben sich nicht einmal die glühendsten Lober unter ihnen selber. Schwarzweiß ist eine zu dünne Farbkomposition, um Habes Kolossalgemälde "Israel" zu bezeichnen.

Und doch gibt es ein paar Kapitel, die einen packen – des Stils wegen, der Kompositionsgäbe, der klugen Einsicht wegen. "Yad Va‘Schem" gehört dazu, die Abschnitte "Jerusalem" und "Orthodoxes Judentum". Da muß jedermann seinen Hut ziehen, auch der, der ähnliche Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt hat.

Im übrigen aber: Israel zur Schnulze herabgeschrieben, die Bibel (Habes Leitmotiv: "Gottes Hand liegt über diesem Land") zum "Lore-Roman" herabgewürdigt, Israels Leistungen und Leiden, der Juden Mut und Moral zum Ideal-Fetischismus hinaufstilisiert. Das ist meilenweit entfernt etwa von dem Buch "Gespräche mit israelischen Soldaten", einem Buch von Israelis über Israelis, einem nüchternen, selbstkritischen Buch.

Abgesehen von den persönlichen Entgleisungen Habes, wenn er sich selber lobt, indem er sich selber zitiert (aus seinen Romanen) – hier einige Beispiele von Israel-Euphorie, die anödet:

"Am siebten Tag aber haben die Vereinten Nationen ihr großes Halt gesprochen, ‚denn an ihm hat Gott geruht von all seinem Werke‘, das ist die biblische Lage oder die strategische." Hier wird Gott – im Zusammenhang mit dem Waffenstillstandserlaß der UN nach dem Juni-Krieg – zum billigen Jakob gemacht.