/ Von Rudolf Walter Leonhardt

Am Rande des klotzigen Kur-Zentrums von Westerland, das dem Inselfahrer von ferne als Supersilo entgegendroht, liegt die Kurverwaltung. Gleich gegenüber hat die Stuttgarter Kur-Bau-Firma Bense ihr Büro. Auf einer Messingtafel steht unter dem Firmennamen zu lesen: ATLANTIS.

Die Messingtafel samt Büro dürften mitenthalten sein in den sechs oder sieben Millionen Mark Vorleistung, die Bense für das bisher meistumstrittene Sylter Bau-Projekt schon erbracht haben will. Die Angaben schwanken. Auf eine Million mehr oder weniger kommt es aber wohl schon gar nicht mehr an.

„Westerland sah immer aus wie eine Goldgräberstadt aus dem Wilden Westen“, schreibt der Berliner Diplom-Ingenieur Axel Jacobshagen in der wissenschaftlichen Zeitschrift für Umweltschutz, die von der Bundesanstalt für Vegetationskunde, Naturschutz und Landschaftspflege herausgegeben wird. „Sie ist auf dem besten Wege, wieder eine Goldgräberstadt auf dem Felde des Spekulantentums zu werden.“

Dazu tragen Bense und seine Westerländer Auftraggeber das Ihre bei. Sechs (oder eben sieben) Millionen also hat die Firma, nach eigenen Angaben, schon investiert in den Hundert-Millionen-Bau eines vierundzwanzigstöckigen Hochhauses, das 750 Appartements enthalten und „Atlantis“ heißen soll.

Die Bezüglichkeit des Namens kann kaum beabsichtigt sein. Atlantis heißt ja jener sagenhafte Insel-Staat, der einmal das Mittelmeer beherrscht haben soll und der dann angeblich in den Wellen versank. Die Bauherren von Sylt, die aus Bremen oder Hamburg oder Stuttgart kommen, lesen nicht Plato, sie machen Geschäfte – und was für welche!