Die Diskussion um das sowjetische Generalkonsulat in Westberlin, die von wenig Informationen und daher geringer Sachkenntnis, dafür aber von um so intensiveren Emotionen getragen wird, ist in ein neues Stadium getreten.

Bisher hatte die CDU ihren ganzen Zorn auf Egon Bahr geworfen. Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt war in ihren Augen Sündenbock, politische Vogelscheuche und Graue Eminenz zugleich. Ihr außenpolitischer Sprecher, Werner Marx, hatte sich erst vor wenigen Tagen zu dem Satz verstiegen, Bahr habe nicht die Vollmacht, „den Amerikanern ein von Moskau oder Ostberlin direkt gesteuertes Generalkonsulat in Westberlin als für die Bundesrepublik akzeptabel aufzuschwatzen“. Als ob Washington, dessen Botschafter Rush als Sachkenner erster Ordnung die Verhandlungen in Berlin führt, es nötig hätte, sich etwas „aufschwatzen“ zu lassen.

In der Panorama-Sendung vom Montagabend hat Egon Bahr nun vor einigen Millionen Zuschauern Zeugnis, abgelegt: Ein solches Generalkonsulat käme „unter den heutigen Umständen überhaupt nicht in Frage“. Erst wenn die Sicherheit Berlins gewährleistet sei, könne man daran denken, ein solches Zugeständnis zu machen – beispielsweise wenn die Bundesrepublik die Vertretungsrechte der Westberliner in Moskau zugestanden bekäme

Der CDU/CSU blieb der Mund offenstehen: Sie war mittlerweile selbst auf ihre Propaganda hereingefallen. Dabei hatte Egon Bahr doch nur wiederholt, was die Regierung seit eh und je als ihr Ziel verkündet: Berlin abzusichern. Jetzt muß die Opposition sich was Neues ausdenken – es gab zu viele Zeugen. M. D.