Was im Handwerk verdient wird, ist nur schwer zu sagen. Eine präzise Antwort ist ohne Bruch des Steuergeheimnisses nicht möglich. Denn aussagekräftige Einkommenstatistiken für selbständige Handwerker gibt es nicht. Deshalb muß der Hinweis genügen, daß in der Handwerksrolle unbekannte Flickschuster ebenso eingetragen sind wie Prominentenschneider, . gutgestellte Werkzeugmacher ebenso wie Hinterhof-Reparaturwerkstätten.

Mit anderen Worten: Im Handwerk wird teilweise klotzig verdient, teilweise aber nur eben der Lebensunterhalt für die Familie erwirtschaftet. Handwerkliche Randexistenzen treten jedoch mehr und mehr in den Hintergrund. Die Betriebe werden ständig größer, die kleinen verschwinden.

Für unselbständige Handwerker läßt sich die Einkommensfrage eher beantworten: Es dürften kaum Unterschiede zur Industrie bestehen. Die Löhne für Handwerksgesellen und handwerkliche Arbeiter sind praktisch identisch mit den Industrielöhnen, mit allen Differenzierungen zwischen den einzelnen Sparten.

Dennoch hat das Handwerk noch größere Personalsorgen als die Industrie. Der Mangel an Nachwuchs ist sogar das entscheidende Problem. Gerade weil die individuelle Leistung die Grundlage des Handwerks bildet, ist ihm mit einer Zufuhr ungelernter Arbeiter nicht gedient. Seit Jahren hapert es nicht nur mit der Zahl der Lehrlinge, noch mehr wird deren Qualität bemängelt. Von Kammerpräsidenten kann man die Klage ebenso hören wie von biederen Meistern: "Wir kriegen nur die, bei denen es für eine höhere Schule nicht reicht."

So versucht man, mit materiellen Anreizen nachzuhelfen. Lehrlinge im dritten Lehrjahr bekommen etwa schon 80 Prozent des Gesellenlohnes, was immerhin mehr als 800 Mark im Monat sein können. Oder es wird hemmungslos abgeworben.

Ein mittlerer Handwerksbetrieb, der die Reifenindustrie mit Qualitätsgußformen versorgt, verlor zum Beispiel seine drei Fachkräfte an eine Installationsfirma. Die drei Werkzeugmacher verstanden zwar kaum etwas vom Verlegen von Rohren und Kabeln, doch sie erlagen der Versuchung, ihre unzureichenden Fähigkeiten mit mehr als elf Mark je Stunde vergütet zu sehen.

Andererseits hatte es ein junger Handwerksmeister noch nie so leicht wie heute, sich selbständig zu machen. Selbst Kapitalmangel ist kein unüberwindliches Problem mehr. Wer nur einen Malereibetrieb aufmachen will, braucht ohnehin nicht mehr als einige tausend Mark zu investieren. Doch selbst für die Eröffnung einer Kfz-Reparaturwerkstatt mit elektronischen Prüfanlagen im Wert von 100 000 Mark und mehr gibt es ausreichend Mittel: von der Industrie oder aus einem der zahlreichen Gewerbeförderungsprogramme.