Das Handwerk selbst hat zudem seine Kreditgarantiegemeinschaften, die den Nachweis von nur einem Viertel Eigenkapital verlangen. Mit Hilfe von Bausparverträgen und anderen Ersparnissen läßt sich die benötigte Summe in der Regel während der ersten fünf bis zehn unselbständigen Berufsjahre aufbringen.

Selbst die unbedingt erforderliche Weiterbildung während der Gesellenjahre und die Vorbereitung auf die Meisterprüfung braucht heute nicht mehr mit dem Verzicht auf Lebensstandard erkauft zu werden. Der Besuch einer Meisterschule beispielsweise wird von der Bundesanstalt für Arbeit gefördert. Ein lediger Schüler kann während der zweisemestrigen Schulzeit mit monatlichen Beihilfen von 900 bis etwa 1200 Mark rechnen. Für Verheiratete gibt es noch einige Hunderter mehr.

Nach Abschluß dieser Ausbildung stehen dem Handwerksmeister viele Wege offen. Er kann sich selbständig machen, zunächst als Inhaber eines Einmannbetriebes. Erfahrungsgemäß lassen sich solche Kleinbetriebe in verhältnismäßig kurzer Zeit zu soliden Mittelunternehmen mit zehn, zwanzig und mehr Beschäftigten ausbauen. Der Durchschnittsumsatz der westdeutschen Handwerksunternehmen liegt immerhin schon bei nahezu 300 000 Mark (1950: 50 000 Mark).

Wer sich für eine ruhigere, risikoärmere und weniger hektische Tätigkeit entscheidet, wird in der Industrie mit offenen Armen aufgenommen. Als Werkmeister oder Betriebsleiter muß ein Handwerker aber seine finanziellen Ansprüche im Vergleich zu selbständigen Kollegen eventuell etwas zurückschrauben.

Daneben gibt es noch einen dritten Karriereweg. Er führt über eine Handwerkslehre bis zum Akademiker. In diesem Fall stehen nach der Gesellenprüfung Fachoberschulen und Fachhochschulen offen. Berufsziele können zum Beispiel, der Diplomingenieur, der Architekt oder auch die Laufbahn eines Gewerbestudienrates sein. In einer Zeit, in der umstritten bleibt, wie weit sich die Investitionen für den klassischen Weg zum Akademiker auszahlen, scheint das eine überlegenswerte Alternative.