DIE ZEIT

Saubere Stiefel

Der erste Akt der Selbstreinigung in Sachen schmutziger Fußball ist vorüber. Zweimal verhängte das Sportgericht des Deutschen Fußballbundes (DFB) die Höchststrafe: Ausschluß auf Lebensdauer.

Sicherheit ist teuer

Fünf schwere Zugunglücke mit 102 Todesopfern innerhalb eines halben Jahres haben den Werbeslogan "Fahr sicher mit der Bundesbahn" fragwürdig gemacht.

Mitschuldig

Von den 1,2 Millionen Kindern unter zehn Jahren, die mit dem ostpakistanischen Flüchtlingsstrom in die indische Provinz Westbengalen gelangt sind, ist die Hälfte unterernährt.

Warnung vor halben Wahrheiten

Die Veröffentlichung von Geheimdokumenten hat offenbar Anklang gefunden. Der Ruhm der New York Times ließ die National Review nicht ruhen: Die konservative New Yorker Zeitschrift teilte in der vergangenen Woche mit, die amerikanische Regierung habe im Mai 1954 beschlossen, eine Atombombe über Haiphong abzuwerfen.

Entlarvt

Die Diskussion um das sowjetische Generalkonsulat in Westberlin, die von wenig Informationen und daher geringer Sachkenntnis, dafür aber von um so intensiveren Emotionen getragen wird, ist in ein neues Stadium getreten.

Kein Kuba im Mittelmeer

Premierminister Mintoff ist in erster Linie Malteser – und noch lange kein Brite

Zeitspiegek

„Die Brandt-Scheel-Regierung ist nach zwei Jahren aus dem Gröbsten heraus und hätte dem Wähler-Aktionär bei dieser Gelegenheit durchaus auch einmal sagen können, daß manches doch nicht so gelaufen ist, wie man sich das bei Geschäftsübernahme vorgestellt hatte.

Fest verwurzelt, vaterländisch, christlich

Den Wohlfahrtsstaat finden sie „scheußlich“, die Beteiligung der Schweiz an der europäischen Integration lehnen sie ab, vor einem Beitritt zur UNO warnen, sie mit Nachdruck.

Lächeln – süß-sauer

Die Reise von Präsident Nixon nach Peking soll dem Frieden und der Entspannung dienen. Und vor allem soll sie das Mißtrauen unter den Staaten aus der Welt schaffen.

Wie sozial - wie gerecht?

Erich Mende wird auf überraschende Weise von neuen liberalen Reformern bestätigt. Einer der Lieblingssätze des ehemaligen FDP-Vorsitzenden hatte gelautet: „Der Liberalismus ist die einzige politische Alternative zum Kommunismus.

„Transition“

Vor drei Jahren besuchte uns Rajat Neogy in der ZEIT-Redaktion. Der knapp 30jährige Chefredakteur aus Uganda löcherte uns mit Fragen über die Studentenrevolte.

Taktieren mit Teutonen

Der Streit in der Labour-Party über den britischen EWG-Beitritt ist für den Außenstehenden verwirrend; parteipolitisches Kalkül und insulare Voreingenommenheit bilden gemeinsam mit der verständlichen Sorge um die Preis- und Wirtschaftsentwicklung ein kaum durchschaubares Politgespinst.

Flucht in die Scheinwelt

Der Versuch Ulrike Meinhofs und ihrer Gruppe, in einem Feldzug gegen die Gesellschaft den Weg aus der politischen Isolation in eine bessere Welt zu finden, ist gescheitert.

Das nahöstliche Putschkarussell

Im Nahen Osten sind die Regeln der Zivilisation und das Recht außer Kraft gesetzt worden. Libyens Staatschef Gaddafi trat die Nachfolge palästinensischer Luftpiraten an und kaperte eine britische Linienmaschine.

Die Japaner grollen

Die plötzliche Nachricht von Nixons Reise nach Peking schlug in Tokio wie eine Bombe ein. Der Schock sitzt tief. Japan fühlt sich von den Vereinigten Staaten hintergangen.

Rote Gefahr für Moskau

Einem französischen Besucher erzählte Tschou En-lai kürzlich die Geschichte von den mongolischen Pferden, die nicht dem Hirten, sondern ihrem Leittier gehorchen und diesem überallhin folgen.

Mit 140 in die Kurve

Dies nur zur Erklärung dafür, daß ich erst nach Herrn Ministerpräsident Filbinger und Herrn Justizminister Schieler hier eintreffen konnte“, sagte Holger Börner, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverkehrsministers Leber.

Städteplaner Walter Scheel: Ein Hauch von Realismus

Im „Hessischen Hof“ präsentierte am Dienstagabend bei einem Arbeitsessen der designierte Generalsekretär der FDP, Karl-Hermann Flach, einen Walter Scheel, wie ihn keiner kennt: Nicht Scheel den Außenminister, sondern Scheel den Städteplaner.

Bonner „Rheinlust“ in Nöten: Mauscheln bei der Molle

Eugen Gerstenmaier war noch Präsident des Deutschen Bundestags, als er mit schwäbischer Sparsamkeit entschied, die bundestagseigenen Taxis sollten künftig keine nächtlichen Besucher der indischen Botschaft mehr heimwärts chauffieren.

Chinas Weg zum Sozialismus

Auch auf dem deutschen Buchmarkt erscheinen immer häufiger Originalstudien über China, nur sind sie selten empfehlenswert. Einige recht angesehene Verlage haben in letzter Zeit in der Bundesrepublik mehrere China-Bücher herausgebracht, aber obschon ihre Titel anspruchsvolle Wörter wie „Ideologie“, „Revolution“ und „Widersprüche“ enthalten, sind sie wegen der Dürftigkeit des Inhalts nicht besprechenswert.

Ein kleines Buch nach großer Reise

Da steht Hans Habe nicht allein: Wer zum erstenmal nach Israel kommt, ist erst einmal fasziniert – von dem Land, der Landschaft, den Menschen, der Situation.

Der Fußball-Prozeß von Frankfurt

Drei Männern ist verboten worden, ihren Beruf auszuüben, vier weitere sind für unfähig erklärt, das auszuüben, was man im deutschen Verein "Ehrenämter" nennt.

Das war die Spartakiade 1971 Massensportfest in Moskau: „Wir erwarten Großes“

Während eines Gesprächs, das der Präsident des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele 1972, Willi Daume, mit dem Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport der UdSSR, Sergej Pawlow, in Moskau führte, überbrachte der Vertreter des Sports aus Taschkent Daume eine farbenprächtige Nationaltracht.

SALT: USA für „Baustopp“?

Die New York Times erregte wieder einmal den Zorn Washingtons, das mit seiner Reaktion auf einen Bericht der Times dessen Inhalt zum Teil bestätigte.

Bundesrat: Neue Zuspitzung

Der Streit um die Kompetenzen und politischen Funktionen des Bundesrates ist noch nicht ausgestanden. Am Freitag brach er erneut auf, als die Ländervertretung auf einer zweiten Sondersitzung das Mietrechts-Gesetz, wie erwartet, an den Vermittlungsausschuß überwies.

Mit Verspätung, aber pünktlich

Zum bisher aufwendigsten (445 Millionen Dollar), längsten Flugdauer zwölf Tage, sieben Stunden, zwölf Minuten) und – wie die Techniker der NASA hoffen – wissenschaftlich ertragreichsten Mondflug starteten am Montag die drei Astronauten David Scott (39), James Irwin (41) und Alfred Worden (39) mit Apollo 15 in Kap Kennedy.

Leber zieht Konsequenzen

23 Tote und 122 Verletzte forderte das vierte schwere Zugunglück der Bundesbahn innerhalb von sechs Monaten. Am Mittwoch vergangener Woche fuhr um 13.

Dokumente der ZEIT

„Die Genfer Vereinbarungen von 1954 waren ein bedeutender Erfolg der Völker Indochinas, den sie nach langjährigem Kampf für die nationale Befreiung erzielt haben .

Streit um Generalkonsulat

Staatssekretär Egon Bahr hält die Installierung eines solchen Konsulats nach dem gegenwärtigen Stand der Viermächtegespräche für nicht akzeptabel.

Kritik an Nixons Reiseplan

Die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon, er werde im nächsten Jahr Peking besuchen, hat in Ländern des Fernen Ostens und bei europäischen Kommunisten zu wachsender Kritik geführt.

EWG-Beitritt: Labour gespalten

Harold Wilson hat das Ziel seiner politischen Kehrtwendung nicht erreicht: Trotz heftiger Angriffe auf die „Europäer“ und seiner zweiten Rücktrittsdrohung ist die Labour Party in der Frage des britischen EWG-Beitritts tief gespalten.

Die Fachleute und die Querulanten

Die „gegenwärtigen geschichtlichen Ereignisse“ – Chomsky meinte damit vor allem den Krieg in Vietnam; und wenn er die Gründe für „Verantwortlichkeit der Intellektuellen“ beschrieb, so hauptsächlich, um gegen die „ruhige Duldung“ zu polemisieren, mit der die meisten unter ihnen diesen Krieg in Vietnam hinnahmen.

Ein Film wie eine Oper

Geht man wieder ins Kino? Zumindest in der Stadt. Eine spürbare Fernsehmüdigkeit, das Auslaufen der Pornowelle, ein im Vergleich zu den letzten Jahren besseres Durchschnittsniveau des Filmangebots und vielleicht auch der Trend zum Cafeteria-, Kneipen- oder Treffpunktkino – das alles scheint die „zwei schönen Stunden“ wieder attraktiv zu machen.

ZEITMOSAIK

Am Eröffnungstag des Winter-Festivals in Ouro Preto, einer Stadt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, wurden Julian Beck, Judith Malina und weitere 13 Mitglieder des Living Theatre von der Sicherheitspolizei Brasiliens verhaftet.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Seit die Kanadierin Toni Mitchell ihre sehr privaten, stark autobiographisch geprägten Lieder schreibt und singt, hat die Falk Music endgültig ihren Protestcharakter verloren.

FILMTIPS

Im Fernsehen: „Das Blut des Condors“ (Bolivien 1969), von Jorge Sanjinés (ARD am 3. August). Der Regisseur, dessen „Ukamau“ schon vor einem Jahr im ZDF lief, geht in „Yawar Mallku“ von einem authentischen Fall aus: der Sterilisation ahnungsloser Indiofrauen durch Ärzte des amerikanischen Friedenskorps.

Letzten Endes

Vor einem Jahr starb Fritz Kortner, der große Theatermann, Schauspieler und Regisseur, der das Theater zweier Epochen – das der zwanziger Jahre und das nach 1945 – auf das nachhaltigste geprägt hat.

Auch ein Beitrag zum Jubiläumsjahr: Dürer für Kinder

Wenn schon Dürer total für die Alten, warum dann nicht auch den altdeutschen Künstler für die Kleineren und Jüngeren zubereiten? Von solch durchaus berechtigter Frage ausgehend, haben sich Autoren, Graphiker und Verleger von unterschiedlichen Positionen her dem Manne aus Nürnberg genähert.

Eine Erzählung von Alfred Andersch: Brüder

Die Sonne stand halbhoch jenseits des Stroms. Sie blieben stehen, weil Jakob fotografieren wollte. Er machte zwei Aufnahmen, eine nach Südwesten, ins Gegenlicht, die andere, mit der Sonne im Rücken, von den Hafenanlagen im Osten.

Spannend bis zum letzten Satz

Unbekümmert um die kritischen Expertisen einer gesellschaftlich orientierten Literaturwissenschaft, welche dem Romanschriftsteller heute und morgen kaum eine Chance mehr geben, hat der 1922 geborene Schwede Per Olof Sundman mit einer vergleichsweise schmalen Produktion epischer Prosa den Nachweis erbracht, daß es immer noch „geht“.

Leider kein Striptease

Gewiß, Wolfgang Hildesheimer ist einer der bedeutenden deutschen Schriftsteller seiner Generation. Aber ich kann nicht verheimlichen, daß mich jedes seiner Bücher zwar interessiert, doch zugleich auch enttäuscht.

KRITIK IN KÜRZE

„Exil in Frankreich – Merkwürdigkeiten und Denkwürdigkeiten“, von Alfred Kantorowicz. Dies ist der Bericht eines Augenzeugen aus finsterer Zeit.

VON ZEIT-MITARBEITERN

Erwin Lausch: „Diabetes – Siege, Hoffnungen und immer neue Rätsel.“ Erwin Lausch, 1929 in Berlin geboren, widmete sich nach dem Studium der Naturwissenschaften dem kritischen Wissenschafts- und Medizinjournalismus.

AUFSTIEG - JOB - VERDIENST

Einen besonderen Rekord stellte ein Mitarbeiter der Daimler-Benz AG in Untertürkheim auf: Die Werksleitung zahlte ihm für einen technischen Verbesserungsvorschlag 71 000 Mark.

Goldfinger am Schraubstock

Daß die Moritat vom fröhlichen Handwerksburschen endgültig in die historische Mottenkiste gehört, hat sich herumgesprochen. Das gilt nicht unbedingt für das Klagelied vom existenzbedrohten Handwerk, das noch mancherorts gesungen wird.

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