In Duisburg begann der letzte Akt des Dramas um den Niedergang des einstmals größten deutschen Wirtschaftsimperiums mit der ersten Gläubiger Versammlung der in Konkurs gegangenen Hugo. Stinnes Industrie und Handel GmbH, Mülheim. Die Bestandsaufnahme des Konkursverwalters Theo Zirpins war niederschmetternd: Gläubigerforderungen von 28,8 Millionen Mark standen Werte in Höhe von 185 700 Mark gegenüber. Auf den Postscheckkonten der Firma, die dem Sohn des früher reichsten Mannes Deutschlands gehörte, fand sich weniger,’ als die meisten Angestellten und Arbeiter, ihr eigen nennen: 705,97 Mark.

Hugo Stinnes selbst, den Gewerkschaftsführer Gutermuth einmal „den kleinen Sohn eines großen Mannes“ nannte, ist nicht erreichbar. Konkursverwalter Zirpins: „Der alte Mann hüllt sich in Schweigen.“ Der jetzt 73jährige hatte nach dem Tode seines Vaters und Konzerngründers 1924 das Imperium übernommen, das 2888 Unternehmen umfaßte. Der größte Teil des Erbes ging nach Amerika an die Hugo Stinnes Corp., deren Besitzverhältnisse nie ganz klar waren. Die Familie Stinnes behauptete, eine Mehrheitsbeteiligung zu besitzen, nachdem sie während des Zweiten Weltkrieges jeden Besitz geleugnet hatte, um eine Beschlagnahme als feindliches Eigentum zu vermeiden Als Ende der fünfziger Jahre die noch beschlagnehmten Aktien der Hugo Stinnes Corp. von einem deutschen Bankenkonsoritum i mit Hilfe der Bundesre- – gierung zurückgekauft wurden, konnte die Familie ihre Ansprüche nicht belegen und erhielt keine Anteile. Die Aktien kamen zur Veba, wo sie heute in der konkurs-Firma zu tun hat, und der Veba-Glas AG aufgeteit wurden. Im Revier halten sich hartnäckig Gerüchte, Hugo Stinnes habe noch rechtzei tig vor dem Konsurs zehn Millionen Mark in die Schweizgebracht. Das müßte sich klären lassen, wenn Hugo Stinnes demnächst vor einer Düsseldorfer Strafkammer erscheint – wegen des Verdachts einen Steuervergehens. mh.