Die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon, er werde im nächsten Jahr Peking besuchen, hat in Ländern des Fernen Ostens und bei europäischen Kommunisten zu wachsender Kritik geführt. Besonders betroffen zeigten sich Taiwan, Japan und Indien.

Die Regierung in Taipeh will jetzt vor allem um ihren Sitz in der UN kämpfen. Weil ohne Zustimmung des Sicherheitsrates kein Mitglied aus der UN ausgeschlossen werden kann, will Taipeh, das ständiges Mitglied des Sicherheitsrates ist, durch ein Veto den eigenen Ausschluß verhindern. Diese Taktik basiert auf der Hoffnung, daß Peking der UN nicht beitreten wird, solange Taipeh Mitglied ist, und damit eine Vertretung beider Chinas in der Vollversammlung verhindert werden kann.

Die Spannungen zwischen Taiwan und den USA, die seit der Ankündigung Präsident Nixons bestehen, haben sich verschärft, nachdem der Auswärtige Ausschuß des Senats in Washington ohne Gegenstimme beschloß, eine Kongreßentschließung aus dem Jahre 1955 zu widerrufen, die den Präsidenten ermächtigt, US-Truppen zur Verteidigung Taiwans einzusetzen. Nixon betonte zwar, daß dieser Beschluß nichts an den Vertragsverpflichtungen Washingtons gegenüber Taipeh ändere, doch kommt er ihm vor seiner Reise nach Peking auch nicht ungelegen.

In Japan herrscht weiter große Betroffenheit darüber, daß Nixon Ministerpräsident Sato von seinem Reiseplan nicht vor der öffentlichen Bekanntgabe unterrichtet hat. In einer Parlamentsdebatte forderte die Opposition den Ministerpräsidenten auf, diplomatische Beziehungen mit Peking aufzunehmen und mit Taipeh zu brechen.

Zwar gelang es Sato, zu verhindern, daß diese Forderung dem Parlament zur Beschlußfassung vorgelegt wurde. Doch auch aus der Wirtschaft wird der Druck, jetzt eine Schwenkung in der Außenpolitik vorzunehmen, stärker. Satos Stellung ist besonders deshalb gefährdet, weil er der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Washington Priorität gegeben hatte.

Der indische Außenminister Sadar Swaran Singh hat berichtet, Indien habe mit anderen Staaten des Subkontinents Kontakte aufgenommen, um gemeinsam zu beraten, wie eine amerikanisch-chinesische Vorherrschaft verhindert werden könne. In Neu-Delhi wurde Kritik an der bisher strikten Neutralitätspolitik der Regierung geübt und gefordert, sich enger an andere Staaten, etwa die Sowjetunion oder Japan, anzuschließen,

Die sowjetische Wochenzeitung Nowoje Wrenja, die als Sprachrohr des Außenministeriums in Moskau gilt, hat Peking beschuldigt, es begehe Verrat an den nationalen Befreiungsbewegungen und am Kampf gegen den Imperialismus. Ziel Pekings sei allein die Herstellung einer starken Weltmacht China. In diesein Zusammenhang macht die Zeitung Rotchina auch für die Vernichtung der Kommunisten in Indonesien verantwortlich.