„Exil in Frankreich – Merkwürdigkeiten und Denkwürdigkeiten“, von Alfred Kantorowicz. Dies ist der Bericht eines Augenzeugen aus finsterer Zeit. Alfred Kantorowicz, heute über siebzigjährig, erinnert sich, wie es den deutschen Emigranten zwischen 1937 und 1941 in Frankreich erging: kein Ruhmesblatt für die Grande Nation. Was antifaschistische Schriftsteller als Flüchtlinge vor Hitler im klassischen Land des politischen Asyls durchmachen mußten, liest man heute nicht ohne Kopfschütteln und Beschämung. Trotzdem ist es kein Buch der Anklage, eher eine Chronik der Verfolgung. Man erfährt über die Situation Heinrich Manns, Lion Feuchtwangers, Walter Hasenclevers, Rudolf Leonhards, Münzenbergs und vieler anderer wichtige und zum Teil neue Details. Der Verfasser erinnert sich nicht frei, sondern berichtet auf Grund der Tagebuchaufzeichnungen von damals. Damit verschweigt, retouchiert, verschönt er nachträglich sehr viel weniger, als Memoirenschreiber es gemeinhin tun. Auch die damaligen Irrtümer des Verfassers werden freimütig einbezogen. Wiederholungen, Überschneidungen, ein Hang zu einem etwas uferlosen Zettelkastensystem machen die Lektüre manchmal ermüdend. Literarische Kraft ist dem Text nicht eigen, dafür aber eine Informationsfülle, die man von einem der letzten Zeugen dankbar entgegennimmt. Die noch immer ungeschriebene Geschichte der deutschen Exilliteratur wird auch dieses Buch berücksichtigen müssen – als Quelle. (Schünemann Universitätsverlag, Bremen; 253 S., 22,–DM) Horst Krüger