Kunstkalender

Neu in Museen und Galerien:

Hamburg Bis zum 29. August, Altonaer Museum: "Lyonel Feininger – Zeichnungen von Schiff und See"

Mehr als 4800 Skizzen und Zeichnungen hat Lyonel Feininger hinterlassen, "Naturnotizen", wie er sie nannte. 72 dieser Blätter, mit Bedacht ausgewählt, ausgeliehen vom Busch-Reisinger-Museum der Harvard-Universität, sind im Altonaer Museum ausgestellt: Steilküste und Strand, Hafen und Landes’teg, Sonnenuntergang und Wolkenaufzug, Figuren, mal im Badeanzug, mal unter Pleureusenhut, und Schiffe und Boote, Bark, Kutter, Brigg und Dampfer. Lyonel Feininger, der am 17. Juli hundert Jahre alt geworden wäre (gestorben 1956), war 1887 auf der "Gellert", einem noch mit Hilfssegeln versehenen Hapag-Dampfer, von New York nach Deutschland gekommen; und seitdem zeichnete und malte er gleichsam an der Flutkante, dort, wo Land und Meer aneinandergrenzen. Stenogramme der See sind diese kleinen und doch nie winzig wirkenden Zeichnungen mit Bleistift, Farbstift oder Feder. Sie lassen etwas vom unverkrampften Fleiß des Künstlers ahnen, zeigen den Experten Stationen einer exemplarischen, geradezu lehrhaften Entwicklung, stimmen den Laien ein auf Sommer, Sonne, Wind und Wellen und ein bißchen auch auf Herbststurm und nötigen dem Seefahrer Zustimmung zu jenem Zitat ab, das in den zwanziger Jahren schon unwidersprochen war: "Der Mann muß viel von Schiffen verstehen."

Er tat’s; aber sowenig man Joseph Conrad nur als "Dichter der See" begreifen kann, sosehr war auch Lyonel Feininger im Grunde unabhängig vom Sujet. Die See war für ihn der ideale Raum für das Spiel und Widerspiel von Gegenstand und Atmosphäre. Masten, Riggs und Regenbögen, Strandkörbe, das Schraubenwasser der Dampfer oder die gebraßten Rahen der Segelschiffe waren, im Grunde nichts anderes als Signalements für Elemente des Bildhaften: rund und eckige flach und gewölbt, leer und voll, dunkel und hell, im Prisma dividiert sich alles auseinander, fügt sich alles zueinander.

Und so paßt diese Ausstellung, eine unaufdringliche Centenar-Huldigung, denn doch ins Altonaer Museum, wo dessen Chef Gerhard Wieteck und seine Mitarbeiter See, Seemann, Seefahrt dokumentieren, ohne an Kap-Horn-Attitüden zu scheitern. Alexander Rost

Wichtige Ausstellungen:

Duisburg Bis zum 22. August, Wilhelm-Lehmbruck-Museum: "Paul Klee und seine Malerfreunde"

Kunstkalender

380 Arbeiten – fast die komplette Sammlung Paul Klee – sind zu besichtigen. Durch die Bilder von Kandinsky, Marc, Jawlensky, aber beispielsweise auch Nolde wird auf das bisher kaum untersuchte Thema des Austauschs von Bildern und Ideen zwischen Klee und seinen Malerfreunden hingewiesen – eine brauchbare Methode, den Klee-Mythos abzubauen.

Frankfurt Bis zum 8. August, Städelsches Kunstinstitut: "Otto Meyer-Amden"

Das Werk des Schweizer Malers ist bisher nur in seiner Bedeutung für Baumeister, Itten und Schlemmer gesehen worden; die Ausstellung will seinen Eigenarang dokumentieren.

München Bis zum 26. September, Haus der Kunst: "Oskar Kokoschka – Bildnisse 1907/1970"

Es empfiehlt sich, den Hommage an den 85jährigen in zeitlich umgekehrter Reihenfolge zu besichtigen: Kokoschka 1970, das ist. Salonmalerei von 1907; Kokoschka 1907, das ist packende Menschendarstellung, auch 1970 noch.