Lächeln – süß-sauer

Wolf gang Ebert:

Die Reise von Präsident Nixon nach Peking soll dem Frieden und der Entspannung dienen. Und vor allem soll sie das Mißtrauen unter den Staaten aus der Welt schaffen. Es da allen recht zu machen, scheint diesmal besonders schwierig zu sein. Das erste Echo auf die Reise-Ankündigung Nixons klingt jedenfalls nicht verheißungsvoll. Während die beiden Supermächte ihr Mißtrauen abbauen, scheint es bei den Freunden eher zu wachsen. Darum ließ Nixon Außenminister Rogers zu sich rufen. Als dieser in Nixons Arbeitszimmer trat, hörte man aus dem Nebenzimmer wüstes Schimpfen.

Nixon: Wer ist da draußen?

Und was will er?

Rogers: Das ist James Shen,

Taiwans Botschafter.

Nixon: Ich dachte, er wäre schon abgereist.

Lächeln – süß-sauer

Rogers: Nein. Er tobt. Wegen Ihrer Reise nach Peking.

Nixon. Ich bin nicht zu Hause. Ich bin in San demente.

Rogers: Sie sind in San demente.

Nixon: Dann bin ich eben in Washington.

Rogers: (will gehen) Gut, das werde ich ihm mitteilen.

Nixon: Hat Zeit. Bleiben Sie noch. Ich brauche Sie dringend.

Rogers: Ich müßte eigentlich nach Island. Auf die scheint auch kein Verlaß mehr zu sein.

Lächeln – süß-sauer

Nixon: Das ist aber sehr unfreundschaftlich. Gibt es denn keine Freundschaft, keine Treue mehr unter den Nationen? Sie müssen unbedingt mit den Japanern reden. Unseretwegen ist Sato nicht nach Peking gereist. In Manila sind die Japaner blaß geworden, als sie von meiner Reise hörten. Das will bei Japanern was heißen.

Rogers: Was soll ich ihnen sagen?

Nixon: Versichern Sie ihnen unserer Freundschaft. Und dann machen Sie die Sache den Indern klar.

Rogers: Leicht gesagt. An der Sache ist doch alles unklar.

Nixon: Lassen Sie sich was einfallen. Wie reagieren die Philippinen und Südkorea?

Rogers: Sie lächeln süßsauer. Das hat bei Asiaten nichts Gutes zu bedeuten. Was soll ich denen sagen?

Nixon: Das überlasse ich ganz Ihnen. Wer macht hier die Außenpolitik – Sie oder ich? Ach beruhigen Sie bitte Moskau!

Lächeln – süß-sauer

Rogers: Das scheint schon Tschou-En-lai getan zu haben.

Nixon: Was Sie nicht sagen. Dann beruhigen Sie bitte mich. Können Sie mir nichts Erfreuliches mitteilen?

Rogers: Moment – also wenn Sie das erfreut: die asiatischen Maoisten hat Pekings Einladung an Sie völlig durcheinandergebracht. Und Hanoi ist auch sehr beunruhigt und voller Mißtrauen.

Nixon: Ich habe schon gesagt, daß ich auch nach Hanoi reise.

Rogers: Das hat in Saigon wie eine Bombe eingeschlagen.

Nixon: Saigon – mein Gott! Die hätten wir beinahe vergessen. Fahren Sie sofort nach Saigon und beschwichtigen Sie Thieu!

Rogers: (leichenblaß) Nie und nimmer! Was zuviel ist, ist zuviel. Kann das nicht auch Kissinger erledigen?

Lächeln – süß-sauer

Nixon: Daranhatte ich auch schon gedacht. Aber er hat ein Attest seines Arztes geschickt. Magenverstimmung!

Rogers: Das soll ich glauben? Könnte Kissinger nicht mal an was anderem leiden? Wo steckt er überhaupt gerade?