Der Sudan erlebte in den vergangenen acht Tagen zwei Putsche. Zu Beginn der Woche wurde General Numeiri, Staats- und Regierungschef, von einer Offiziersgruppe gestürzt; vier Tage später war er mit Hilfe benachbarter Regierungen nach einem Gegenputsch wieder im Amt.

Der Staatsstreich wurde von Major Al Atta geleitet, der das Amt des stellvertretenden Regierungschefs übernahm. Staatschef wurde Oberstleutnant Babakr Al Nur Osman; er hielt sich zur Zeit des Putsches in London auf. Der Umsturz verlief relativ unblutig; äußere Zeichen waren lediglich die Besetzung des Präsidentenpalastes und des Rundfunkgebäudes von Khartum.

Drei Tage später wurde der neue Staatschef auf dem Heimflug von London in Bengasi aus dem Flugzeug geholt und von libyschen Behörden festgenommen. Kurz darauf erklärte Al Atta, der Sudan werde von außen angegriffen; die Bevölkerung müsse ihr Land verteidigen. Doch dazu kam es nicht mehr: Der gefangene Numeiri konnte am Donnerstag fliehen. Mit Hilfe von Truppen, die sich ihm sofort wieder unterstellten, gelangte er von neuem an die Staatsspitze. Über Radio erklärte er, jetzt sei wieder „seine Revolution“ an der Macht. Gleichzeitig gab er den Befehl, alle Kommunisten zu verhaften. Damit begann im Sudan eine Kommunistenjagd.

Al Nur Osman meinte in London zu der Behauptung, die neue Regierung bestehe aus Kommunisten: „Wir sind Sozialisten, und wir wollen Verbindungen und Freundschaft mit jedem Land.“

Ägypten und Libyen zeigten sich erfreut über die Rückkehr Numeiris. Die Sowjetunion warnte den Sudan mehrfach vor weiteren Maßnahmen gegen die Kommunisten, freilich ohne Erfolg. Etwas voreilig hatte auch der Irak das neue Linksregime anerkannt und eine Delegation nach Khartum entsandt, deren Flugzeug allerdings auf geheimnisvolle Weise über Saudi-Arabien verunglückte. Numeiri brach die Beziehungen zu Bagdad ab.

Die zwölf Anführer des Putsches wurden alle zum Tode verurteilt und unverzüglich hingerichtet. Weitere Verhandlungen und Todesurteile stehen noch aus.

Putsch und Gegenputsch im Sudan überschatteten die nach wie vor gespannte Lage im Nahen Osten. Hier fand der Zwist des arabischen Lagers einen Höhepunkt in der Zerschlagung der palästinensischen Freiheitsbewegung durch Königstruppen in Jordanien.