Der Wirtschaftssprecher der FDP, Gerhard Kienbaum, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, blickt weiter gen Osten. Erst kürzlich stellte er wieder mit dem Unterton des Bedauerns fest: "Weiße Flecken auf der Landkarte des Handels aus politischen Motiven kann sich die Bundesrepublik nicht leisten. Daher müssen auch die Chancen eines Handelsvertrages mit China ernsthaft geprüft werden." Kienbaum, der eine Reise nach Peking plant, hat durch die jüngste Nixon-Initiative Auftrieb erhalten. Aus seiner Umgebung hört man: "Die Sache mit Peking läuft, wenn auch auf Sparflamme." Das dürfte indes eher an Peking als an Kienbaum liegen.

* So manches Institut, mancher Hausfrauenbund und sonstige Geldempfänger müssen befürchten, im kommenden Jahr ohne Zuschüsse aus der Bonner Staatskasse auskommen Zu müssen. Staatssekretär Hans Hermsdorf will das Zuschußwesen kräftig durchforsten. Hermsdorf wedelte unlängst mit der fünf Milliarden Mark schweren Empfänger-Liste: "Da will ich mindestens eine Milliarde Mark herausholen."

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Nachdem die ZEIT unter dem Pseudonym Wieland Europa den Beitrag eines prominenten Politikers mit pessimistischen Bemerkungen über die Zukunft des vereinigten Europas abdruckte, griff nun ein anderer Politiker zur Feder, um den bisherigen Europa-Weg zu verteidigen. Die Hamburger Welt ließ einen Felix Europa schreiben. Im Bonner Wirtschaftsministerium fand man an dem Beitrag Gefallen und forscht nun nach dem europäischen Felix. Die erste Vermutung, hinter dem Pseudonym verberge sich der CDU-Abgeordnete Walter Hallstein, langjähriger Präsident der EWG-Kommission, erwies sich als falsch. Das Büro Hallstein dementierte eindeutig: "Professor Hallstein hat den Artikel nicht geschrieben." Die Spur führte weiter nach Kiel. Textanalytiker vermuteten den schleswigholsteinischen Wirtschaftsminister Karl-Heinz Narjes hinter dem Beitrag. Der Minister zur ZEIT: "Es ist mir eine Ehre, daß man bei der Jagd nach dem Autor an mich gedacht hat. Aber ich war es nicht." Wolfgang Hoffmann