Wenn es um das eigene Interesse geht, vergißt die Bundesregierung gelegentlich ihre eigenen Grundsätze. Trotz aller Klagen über die ungerechte Vermögensbildung will der Bund seinen Einfluß auf die erst 1965 zu 60 Prozent teilprivatisierte Veba wieder verstärken. Und da er kein Geld hat, will er seinen Kapitalanteil, von 40 auf 51 Prozent nicht mit Bargeld, sondern mit Sacheinlagen bestreiten: Der Bund will die Viag einbringen, ein bundeseigenes Unternehmen, dessen Umsatzrendite um fast ein Drittel geringer ist als die der Veba.

Die privaten Kleinaktionäre werden kaum ein Interesse an einem neuen Großaktionär haben, nachdem sie gerade erst vor sechs Jahren den größeren Teil des Kapitals erworben haben. In der Zwischenzeit hat der Vorstand aus dem „Bauchladen“ namens Veba einen straff organisierten, erfolgreichen Konzern gemacht, der in drei Jahren die Dividende von 5,50 auf 7 Mark je 50-Mark-Aktie erhöhen konnte.

Dieser Erfolg magden Appetit des Bundes geweckt haben. Das ist jedoch kein Grund, eine erfolgreich privatisierte Gesellschaft wieder zu „verstaatlichen“, zumal der Verdacht nicht ganz unbegründet ist, der Bund möchte eine vereinigte Veba-Viag zum Experimentierfeld staatlicher Energiepolitik machen und weitere Versorgungsposten für abgehalfterte Politiker schaffen.

wmh