Der erste Akt der Selbstreinigung in Sachen schmutziger Fußball ist vorüber. Zweimal verhängte das Sportgericht des Deutschen Fußballbundes (DFB) die Höchststrafe: Ausschluß auf Lebensdauer. Schon beginnt die publizistische Urteilsschelte: Die Strafen seien übermäßig hart. Auch die Verhandlungsführung der Landgerichtsdirektoren Kindermann als Ankläger und Kirsch als Gerichtsvorsitzender wird gerügt. Sie hätten die Vertreter des DFB im Gegensatz zu den Beschuldigten mit Samthandschuhen angefaßt. Waren aber nicht eher manche der anwesenden Journalisten mit einer Bewertung der Verfahrensweise und der moralischen und juristischen Urteilsgründe überfordert?

Die Urteile, auch das gegen den Verein Kickers Offenbach, sind angesichts der Schwere des Delikts gerecht. Die Verhandlungsführung war einwandfrei. Ankläger und Richter ließen sich von dem Vereinsvorsitzenden Canellas nicht dazu bewegen, die Angestellten des DFB als die eigentlich Schuldigen aufzubauen. Der DFB hat zwar recht lange die sich immer mehr verdichtenden Gerüchte angehört, ohne tätig zu werden. Als aber die ersten Beweismittel in Gestalt der Canellaschen Tonbänder vorlagen, handelte er entschlossen. In ein anderes Kapitel gehört freilich die Frage, ob nicht die Sportgerichtsbarkeit mit dem Ziel eines optimalen Rechtsschutzes für den Angeklagten reformiert werden sollte. A. M.