Das von Bundeswissenschaftsminister Hans Leussink nachdrücklich geförderte ehrgeizige Projekt einer Großrechner-Union der Elektrokonzerne AEG-Telefunken und Siemens – mit dem Bund als wichtigstem Finanzierungspartner – ist gescheitert. Beide Firmen sind zu dem Ergebnis gekommen, daß die Bildung einer solchen Gesellschaft „auf dem bisher vorgesehenen Weg nicht durchführbar ist“.

Das finanzielle Risiko wurde offensichtlich als zu groß empfunden. Die Rechner-Union hätte bis 1975 einen Zuschuß von mindestens 200 bis 300 Millionen Mark zum Ausgleich der Anlaufverluste erfordert. Doch Bonn war nur bereit, etwa 100 Millionen Mark – die Hälfte der eingesetzten Entwicklungskosten – beizusteuern. Und selbst dafür konnte Leussink keine Garantie übernehmen.

Bei Siemens stand man dem Vorhaben, das vor allem von der AEG angekurbelt worden war, ohnehin skeptisch gegenüber und machte aus seinen Bedenken kein Hehl. Siemens-Vorstandsvorsitzender Gerd Tacke stellte schon im Dezember die Frage, ob auf dem Gebiet leistungsstarker Groß-Computer für wissenschaftlich-technische Zwecke – zu Stückpreisen zwischen 10 und mehr als 20 Millionen Mark – überhaupt eine Privatwirtschaft-, liche Lösung denkbar sei, da das Risiko für die Firmen viel zu hoch veranschlagt werde.

Sein Stellvertreter Bernhard Plettner bezweifelte, ob auf solch „schwankendem Fundament“ eine neue Gesellschaft gegründet werden könne. Denn die technischen Eigenschaften eines Großrechners müßten ebenso wie die Marktchancen erst geklärt werden. „Wir möchten nicht in einen Geschäftsbereich einsteigen, der uns auf die Dauer zu Kostgängern des deutschen Steuerzahlers macht.“

Immer stärker setzte sich bei Siemens die Einsicht durch, daß man hier „Mut zur Lücke“ beweisen und das nüchterne wirtschaftliche Kalkül allen Erwägungen eines „nationalen“ Prestiges überordnen solle. Im übrigen dürfte das Scheitern der Gespräche mit AEG-Telefunken auch dadurch beeinflußt worden sein, daß Siemens in absehbarer Zeit zusammen mit dem US-Partner „Radio Corporation of America“ (RCA) eine neue Computer-„Familie“ auf den Markt bringen wird. Die Lücke zwischen den bisher angebotenen Computern der „gehobenen Mittelklasse“ und dem angepeilten Großrechner wird dadurch kleiner.

AEG-Telefunken will nun für sich alein ein neues Konzept erarbeiten,