Die Diskussion um eine Berlin-Regelung hat sich in den letzten Tagen auf die Frage nach der möglichen Einrichtung eines sowjetischen Generalkonsulats in Westberlin konzentriert.

Staatssekretär Egon Bahr hält die Installierung eines solchen Konsulats nach dem gegenwärtigen Stand der Viermächtegespräche für nicht akzeptabel. Bahr schloß Montagabend in der Fernsehsendung „Panorama“ allerdings nicht generell aus, daß die Bundesregierung einem Sowjet-Konsulat zustimmen könnte. Nur müßten zunächst Voraussetzungen geschaffen werden, die verhinderten, daß daraus für Berlin eine Gefahr entstehe. Ein Punkt, der Bonn neben anderen die Zustimmung erleichtern könnte, sei die Vertretung Westberlins durch die Bundesrepublik im Ausland.

Zurückhaltend äußerte sich Bahr zum allgemeinen Stand der Viermächtegespräche. Selbst wenn davon ausgegangen werde, daß in einigen Punkten Einigung erzielt worden sei, so seien diese allein für sich noch nichts wert, wenn keine Übereinstimmung über den Gesamtkomplex erreicht werde.

Die vier Botschafter hatten sich nach ihrem 25. Gespräch am vergangenen Donnerstag sehr zufrieden gezeigt, allerdings wiederum keinen möglichen Zeitpunkt für einen Abschluß der Verhandlungen genannt. Bundeskanzler Brandt sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz in Bonn, nach seinen Informationen über den Verlauf der Berlin-Gespräche rechne er mit einem Ergebnis im Laufe des Herbstes.

Parallel zu den Botschaftergesprächen laufen die Verhandlungen zwischen Bahr und Kohl vom DDR-Ministerrat sowie neuerdings auch wieder die Gespräche zwischen dem Chef der Westberliner Senatskanzlei, Ulrich Müller, und DDR-Staatssekretär Kohrt.

Ein Treffen zwischen Müller und Kohrt wurde am Montag von einem schweren Zwischenfall an der Berliner Mauer überschattet. Drei Männer waren in der Nacht zum Sonntag bei einem Fluchtversuch von den Grenzsoldaten der DDR beschossen worden. Einer der Flüchtlinge starb, ein anderer wurde verletzt. Den dritten Mann führten Grenzsoldaten ab.