Vor zehn Jahren noch schuftete Tony Jacklin für wenige Schillinge pro Woche als Lehrling in den Stahlwerken von Scunthorpe. Heute, 27jährig, ist er Pfundmillionär. Jacklins Beruf: Golfspieler. Seit der US-Star Arnold Palmer – und das Fernsehen – den ehemals schottischen Volkssport Ende der fünfziger Jahre popularisierten, ist der Hügelspaziergang mit dem kleinen weißen. Ball zum Big Business geworden: mit besseren Verdienstmöglichkeiten als etwa die Publikumsmagneten Fußball und Tennis und mit einem weltweiten Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Mark. Doch jeder Nichtgolfer, den die pedantisch anmutende Wahl des richtigen Schlägers und die minutenlange Vorbereitung eines „drive“ über vielleicht 300 Meter nur langweilen kann, fragt sich nach den Gründen für diesen Erfolg.

Der Economist war dem Phänomen nachgegangen, als das Wunderkind Jacklin nach über 50 Jahren das US-Open (Landesmeisterschaft für Professionals und Amateure) zum erstenmal wieder für Großbritannien gewonnen hatte und sich die Golfplätze auf der ganzen Insel mit eifrigen Amateuren bevölkerten. Anders als bei anderen Sportarten sei der Golffan selbst aktiv, schrieb das Wirtschaftsmagazin. Und was ihm seine großen Vorbilder am Fernsehen zeigten, wolle er am nächsten Wochenende selbst nachahmen – bisweilen gelinge es ihm auch.

Sogar der blutige Anfänger kann einmal aus zehn Meter Entfernung das Loch so gut treffen wie der gefeierte Meister. Der Unterschied zwischen dem Amateur und dem Professional besteht allerdings darin, daß dieser regelmäßig tut, was jenem einmal pro Jahr glückt. Doch das genügt, eine emotionelle Bindung zum Star entstehen zu lassen. Wer den Schläger schwingt, ist ein Jacklin, Palmer oder Nicklaus, auch wenn er das Loch nicht trifft. Und multipliziert mit 20 Millionen – der geschätzten Anzahl aller Spieler – bildet er den weltweiten Markt.

Beim berühmten „19. Loch“ – Symbol für das „Après-Golf“ – trinkt er dann den Whisky Marke „Black & White“ wie sein britischer Golfheld, auf seinen Schlägern – ab 1000 Mark der Satz – prangt der Namenszug von Golfstar Lee Trevino, und die Golfhosen heißen „Arnold Palmer“ (weil die Leibesfülle von dessen großem und populäreren Rivalen Jack Nicklaus für Werbezwecke ungeeignet schien). Und mit diesen „Extras“ machen die Profis als Dress- und Drinkmen das große Geld.

Ihre Fähigkeit, den Weißen Ball mit möglichst wenig Schlägen in die 18 meist über einen „course“ von etwa fünf Kilometer Länge verteilten Löcher zu treiben, zu rollen oder zu beschwören, lassen sie sich zwar auch hübsch bezahlen. So hat sich Lee Trevino, der 31jährige texanische Star der laufenden Saison, mit seinen Open-Siegen in den USA, Kanada und Großbritannien sowie an andern Turnieren in wenigen Wochen über 200 000 Dollar „ergolft“ und rückt in der Geldverdiener-Rangliste aller Zeiten auf den 8. Platz vor (mit. 609 283 Dollar). Aber zum Millionär, geschweige denn Pfundmillionär bringt man es mit dem Spiel allein nicht.

Noch „bescheidener“ sind die Gewinne in Großbritannien, der Golfernation Nummer zwei. Christie O’Connor, Spitzenspieler der Saison 1970, gewann keine 300 000 Mark, und Peter Oosterhuis, mit 23 Jahren die große Hoffnung für die Zukunft, konnte auf Platz 6 gar nur 40 000 Mark einstreichen. Wer nicht ganz vorn mitmischt, geht also bei den offenen Meisterschaften und den Profiturnieren leer aus. Das wollen sich nun die „sponsors“, die Golfmäzene, sehr oft identisch mit den Ball-, Schläger- oder Schuhfabrikanten, offenbar zu Herzen nehmen.

Obwohl beispielsweise die Preissumme des jüngsten British Open, im Vergleich zu amerikanischen Turnieren, mit 400 000 Mark bescheiden war, haben die zwischen Rang 7 und 17 placierten Spieler mehr kassiert als etwa am doppelt so hoch dotierten US-Open. Diese Spieler zu ermutigen – und sich selbst damit den Markt der Zukunft zu sichern –, heißt nun die Politik von Dunlop und Wilson, den Löwen auf dem Golfmarkt. Die großen Stars nämlich sorgen finanziell bereits bestens für sich selbst, und Wunderschläger wie Jack Nicklaus sollen nur noch der Ehre, nicht aber des Geldes wegen um ihre„birdies“ und „eagles“ zittern.