In einem alten Mailänder Kloster wollen demnächst Fachleute überlegen, wie Europas Management auf amerikanisches Niveau gebracht werden kann. Die Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Österreich haben sich zusammengetan, um das Internationale Institut für Führungskräfte der Technologie zu gründen. Ziel: die Verbesserung des Managements in Wissenschaft und Technik.

Die Klagen über Europas Rückstand in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung sind in den letzten Jahren nicht verstummt. Genaue Untersuchungen, insbesondere der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris, haben die Berechtigung dieser Warnungen für wichtige industrielle Schlüsselbereiche bestätigt. Zu einem Teil wird der Mangel auf das schlechtere Management in europäischen Unternehmen zurückgeführt.

Diese These ist nicht unanfechtbar. Richtig ist aber auch auf jeden Fall, daß eine Reihe in Europa gemachter wissenschaftlicher Entdeckungen insbesondere von Unternehmen in den Vereinigten Staaten marktmäßig verwertet worden sind. Der Innovationsprozeß, das heißt die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Produkte oder Produktionsverfahren, vollzieht sich in wichtigen Wirtschaftsbereichen offenbar in Europa langsamer als in den USA oder neuerdings auch in Japan.

Durch Ausbildung, Fortbildung und Forschung soll nun in Mailand speziell die technologische Innovation gefördert werden. Im Unterschied zu den bereits vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten für Wirtschafts-Manager geht es in dem neuen Institut vor allem um Fragen der technologischen Innovation, der Bedeutung und Anwendung neuer Technologien.

Erstmals sollen Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung zusammenarbeiten, um etwas ganz Neues zu bieten: ein europäisches Technologie-Zentrum, das in Lehre und Forschung speziell europäischen Marktverhältnissen gerecht wird, durch sein hohes Niveau aber auch für amerikanische Spitzenleute attraktiv ist.

Die „Internationalität“ wird nur einer der Trümpfe des Mailänder Instituts sein:

  • Durch die in den Organen des Instituts vertretenen Industrieunternehmen, Wissenschaftler und Regierungen werden die am Innovationsprozeß aktiv oder fördernd Beteiligten am Lehrprogramm mitarbeiten.
  • Die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft bei der Gestaltung der Fortbildungs- und Ausbildungskurse soll einen praxisnahen Unterricht bei wissenschaftlich hohem Niveau garantieren.
  • Mit eigener Managementforschung wird das Institut für Gastprofessoren aus aller Welt attraktiv. Das kommt Lehrstoff und Lehrniveau zugute und macht das Institut zu einem Informationszentrum ersten Ranges.