München

Die CSU will den Anfängen wehren. Um nicht noch mehr Studenten auf linke Gedanken kommen zu lassen, ist sie bemüht, nicht nur Marxisten, sondern auch Sozialdemokraten von Bayerns Hochschulen fernzuhalten. Die jüngsten CSU-Bestrebungen gelten Thomas Ellwein, dem 43jährigen bekannten Politikwissenschaftler, der als Bildungsplaner für die Bundeswehr in München tätig ist. Ihm wollten Professoren, Assistenten und Studenten des Geschwister-Scholl-Instituts für politische Wissenschaft (GSI) eine Honorarprofessur antragen. Damit sollte die prekäre Personallage des Instituts – an fünf ordentlichen Lehrstühlen sind im kommenden Semester nur zwei Ordinarien voll einsatzfähig – gemildert werden.

Gegen diese Absicht liefen prominente Parteipolitiker Sturm. Münchens CSU-Chefs lehnten Ellwein aus „wissenschaftlichen Gründen“ ab; Minister Heubl und Parteivorsitzender Strauß sekundierten und wollen Ellweins Berufung energisch bekämpfen. Der parteilose Kultusminister Maier – selbst noch offiziell Ordinarius am GSI – saß zwischen zwei Stühlen: Er hatte sich, als er noch nicht Minister war, für seinen Kollegen ausgesprochen: „Ich schätze Ellwein sehr.“

Nun bahnt sich eine Lösung an, die der CSU nicht so angenehm sein dürfte wie Maier: Das Direktorium des Instituts beschloß, das Kultusministerium auszuschalten und Ellwein statt einer Honorar- eine Gastprofessur anzubieten. Hierüber hat nur die zuständige Fakultät zu entscheiden, und die wird, so glaubt jedenfalls Instituts-Direktor Kindermann, nicht gegen den Antrag entscheiden, den er gemeinsam mit dem neuen Universitätsrektor Lobkowicz einbringen will.

Die Studenten des Instituts, die auf Ellwein gehofft haben, müssen sich indes noch eine Weile gedulden. Vor dem Sommersemester 1972 ist nicht mit seiner Lehrtätigkeit zu rechnen. L. M.