„Das größte Forschungsvorhaben derWeltgeschichte“ hätte die NASA den Mondflug von Apollo 15 im vorhinein genannt, und die drei Astronauten David R. Scott (39), Alfred M. Worden (39) und James B. Irwin (41) – alles Luftwaffenoffiziere und Träger akademischer Grade – versprachen den Laboratorien „Arbeit für 30 Jahre“. Beide Voraussagen könnten zutreffen; aber das bisher teuerste und längste Raumfahrtunternehmen brachte zugleich eine Häufung von bislang unbekannten Fehlern, Schwierigkeiten und technischen Defekten.

Die Astronauten meisterten: Kurzschlüsse, zerbrochene Deckgläser, falsch anzeigende Meßgeräte, Lecks, undichte Ventile an einem Wassertank und einem Sauerstoffsystem, Luftblasen, eine abgebrochene Antenne, Ausfall von Pumpen, gelockerte Kabelverbindungen, Ausfall von Sensoren, mechanische Fehler an dem „Mond-Jeep“. Trotz Verspätungen und dadurch erzwungenen Abkürzungen konnten Scott und Irwin auf ihren drei Mondausflügen, bei denen sie in 18 Stunden über 30 Kilometer mit dem elektrisch angetriebenen Mondauto zurücklegten, den Großteil des wissenschaftlichen Programms erledigen. Worden, für 66 Stunden allein in der Kommandokapsel auf einer Mondumlaufbahn, wickelte derweil ein eigenes Programm ab, das unter anderem der photographisch-kartographischen Erfassung des Mondes diente.

Der Start der Saturn-V-Rakete hatte 1,25 Millionen Schaulustige nach Kap Kennedy gelockt. Millionen Zuschauer, für kurze Zeit auch im Ostblock, beobachteten über Fernsehen – die Farbbilder waren besser als je zuvor – Scott und Irwin am Samstag, Montag und Sonntag direkt. Zum erstenmal konnten sie auch den Rückstart vom Mond verfolgen, der am Montag um 18.09 Uhr pünktlich klappte.

Knapp drei Tage vorher, am Freitag um 23.16 Uhr, hatte die Fähre „Falke“ fast genau auf dem berechneten Zielpunkt am Ostrand des Mare Imbrium, nahe der sogenannten Hadley-Rille, am Fuße des bis zu 4000 Meter hohen Mond-Apennin aufgesetzt. In und an der rund 400 Meter tiefen Schlucht hoffen die Geologen, Steine aus der Entstehungszeit des Mondes zu finden. Scott und Irwin – „Junge, ist das viel Geologie hier“ – fanden auch zwei Steine mit kristallinen Einschlüssen. Ferner entdeckten sie in der Wand der Schlucht Schichtungen, die sie – wie alles – ausgiebig photographierten und über Funk detailliert beschrieben. Insgesamt sammelten und erbohrten sie über 100 Kilogramm Mondgestein.

Der Samstagausflug hatte sie zum Ellenbogenkrater und weiter nach Süden am Fuße des Apennin geführt. Die zweite Exkursion am Sonntag gen Südosten galt einer Sammlung von flachen Kratern. Beim letzten Ausflug am Montag besuchten die Astronauten noch einmal die östliche Kante der Hadley-Rille. Außerdem installierten sie eine mit Atomstrom betriebene wissenschaftliche Meßstation, holten – trotz elektrischen Bohrgeräts mit großen Anstrengungen und nicht immer erfolgreich – Gesteinsproben aus Tiefen bis zu drei Metern und bauten Meßgeräte auf. Trotz des Mond-Jeeps gerieten beide Männer auf dem staubigen Gelände häufiger ins Schwitzen. Der erste Ausflug mußte schon abgekürzt werden, weil Scott zuviel Sauerstoff verbrauchte. Auf dem Mondauto war auch die von der Erde ferngesteuerte Fernsehkamera montiert, die Aufnahmen von bisher unbekannter Schärfe sendete.

Nach dem Rückstart und dem planmäßigen Ankoppeln blieben die drei Astronauten noch fast zwei Tage auf einer Mondumlaufbahn, um weitere Experimente, darunter das Absetzen eines kleinen Mondsatelliten, durchzuführen. Die nicht mehr benötigte Fähre „Falke“ erfüllte am Dienstag eine letzte Aufgabe: Sie stürzte auf den Mond und löste ein leben aus, das von drei Seismometern – von Apollo 12, 14 und 15 – registriert wurde.