Die Berlinverhandlungen der vier Mächte sollen vor einer entscheidenden Phase stehen. Nach unbestätigten Meldungen einigten sich die Botschafter darauf, am 10. August – dieser Termin war für das 27. Treffen bereits vorgesehen – eine mehrtägige Konferenz zu beginnen, auf der die Grundsätze einer Berlinregelung verabschiedet werden sollen.

Diese Nachricht war am Dienstagabend in Bonn trotz einer Nachrichtensperre bekanntgeworden. Nach der gleichen Quelle besteht über die Formulierung einer Schlußakte bereits eine Einigung. Ferner sei „wesentliche Vorarbeit“ für zwei weitere Vereinbarungen getroffen worden, die die DDR mit Bonn (über eine Zugangsregelung für Westberlin) und dem Westberliner Senat (über die Besuchsmöglichkeiten der Westberliner im östlichen Teil der Stadt und in der DDR) abschließen müßte. Außerdem soll ein Schiedsverfahren für innerdeutsche Streitfragen in den Grundzügen festgelegt sein, das ausdrücklich die Verantwortung der vier Mächte für die Zufahrtswege nach Berlin enthält.

Die Ankündigung einer „entscheidenden Schlußphase“ hat allgemein überrascht, da bekannt ist, daß noch wichtige Fragen ungeklärt sind. Bei ihrem 26. Viermächtegespräch hatten sich die Botschafter noch sehr zurückhaltend geäußert.

Am Dienstagvormittag hatten sich Regierung und Opposition ebenfalls um Berlin gestritten. Die Illustrierte Quick hatte in der vorigen Woche ein westliches und östliches Positionspapier über eine Berlinregelung im Wortlaut abgedruckt, Zusätzlich zitierte der Quick-Chefredakteur im ZDF-Magazin aus geheimen Telegrammen der Bonner Botschaft in Washington. Danach soll Staatssekretär Bahr in Washington die Amerikaner gedrängt haben, auf die sowjetische Forderung nach einem Generalkonsulat in Westberlin einzugehen.

Die Bundesregierung reagierte scharf und sprach von einer bewußten Diffamierung und Störung der Berlingespräche – diffamierend, weil die Illustrierte genau gewußt habe, daß die Papiere längst überholt seien. Zu den Gesprächen Bahrs meinte Regierungssprecher von Wechmar, der Staatssekretär habe im Rahmen seines Auftrages gehandelt und keineswegs im Alleingang einer Kabinettsentscheidung vorgegriffen.

Die Informationsquelle der Illustrierten ist noch nicht gefunden. Da der Spiegel berichtete, das Bundeskanzleramt vermutete den CSU-Vorsitzenden Strauß als Informanten, entspann sich ein fernschriftlicher Schlagabtausch zwischen Strauß und Bundesminister Ehmke. Die Koalitionsfraktionen mischten mit: Auf der Seite der SPD fiel das Wort von der „unheiligen Allianz mit der rechten Sensationspresse“. Die CDU konterte mit der Forderung, Bundeskanzler Brandt solle endlich seine Politik der Halb- und Viertelinformationen aufgeben. Die Regierung behält sich vor, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.